ISO Empfindlichkeit in der Fotografie

Bei der ISO-Empfindlichkeit (oder einfach nur ISO) handelt es sich um den dritten Faktor zusammen mit der Blende und der Verschlusszeit, welche für die korrekte Belichtung eines Bildes zuständig sind.

Die Wortherkunft kommt von der Internationalen Vereinigung für Normung (ISO).

Der ISO Wert nimmt dabei die Rolle der Empfindlichkeit des Lichtsensors ein und hat damit am wenigsten Einfluss auf die schlussendliche Bildwirkung. Während mit unterschiedlichen Blenden und Verschlusszeiten in diesem Bereich stark unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten erreicht werden können, kann mit dem ISO Wert grundsätzlich nur die Qualität (und natürlich Helligkeit) des Bildes beeinflusst werden.

Funktion der ISO in der Fotografie

Wie bereits erwähnt, ermöglicht dir eine Anpassung der ISO-Empfindlichkeit einen weiteren Regler zur Belichtung des Bildes. Die ISO steuert dabei die Lichtempfindlichkeit deines Kamerasensors, entsprechend mehr oder weniger sensibel reagiert er auf das auftreffende Licht (gesteuert durch Blende und Zeit).

Dabei ist ein tiefer Wert (z. Bsp. ISO 100) am wenigsten Empfindlich. Je höher dieser Wert wird, desto sensibler reagiert der Sensor. Dabei ist die Berechnung auch hier denkbar einfach.

Eine Verdopplung des Werts führt zu einer doppelten Lichtempfindlichkeit.

Beispiel:

Ein Bild ist mit folgenden Einstellungen korrekt belichtet:

Blende 4, Verschlusszeit 1/50 und ISO 200

Verdoppelt man nun die ISO auf 400, kann entsprechend die Verschlusszeit halbiert werden, um dasselbe Ergebnis zu erhalten:

Blende 4, Verschlusszeit 1/100 und ISO 400

Die Berechnung erfolgt eigentlich gleich wie bei der Verschlusszeit und bei der Blende (Blendenreihe beachten!).

Hohe ISO führt zu Bildrauschen

Du kannst die die oben beschriebenen Eigenschaften der ISO in der Fotografie Nutzen, um deine anderen Einstellungen so zu wählen, wie du sie für dein geplantes Bild gerne hättest.

Grundsätzlich könnte man jetzt denken «Mehr Empfindlichkeit ist immer gut». Doch leider hat die Erhöhung der ISO einen massiven Nachteil. Die Bildqualität nimmt, je nach Kamera unterschiedlich schnell, ab.

Einerseits erhältst du mit hoher ISO weniger Kontraste / Dynamik, andererseits erhältst du, je höher du deine ISO stellst, umso mehr das berüchtigte Bildrauschen. Dabei handelt es sich um eine körnige Verfälschung deines Bildes.

Ab wann dieser Effekt auftritt kann nicht pauschal gesagt werden. Der Unterschied zwischen den Kameras ist dabei gewaltig. Auch tritt der Effekt in dunklen Bildbereichen bedeutend schneller auf als in hellen.

Bildreihe ISO 100 – 6400

Bei dieser Bildreihe sieht man gut, wie die Bildqualität immer weiter abnimmt. Dabei ist das bei Sonnenschein ohne unrealistische Beispiele mit astronomisch hohen ISO-Werten entstanden. Wäre die gleiche Belichtungsreihe bei weniger Licht gemacht worden, wäre der Unterschied noch viel deutlicher zu erkennen. Die beste Bildqualität wirst du in der Regel immer bei ISO 100 erhalten.

Wann hohe ISO Werte helfen

Trotz der nicht zu vernachlässigen Nachteile einer hohen ISO-Empfindlichkeit, ist es trotzdem in vielen Situationen unumgänglich, den Wert entsprechend zu erhöhen.

Fotografierst du bei wenig Licht und möchtest keinen Blitz nutzen (z. Bsp. in Innenräumen), so kannst du mit einer höheren ISO entsprechend trotzdem noch die nötigen Verschlusszeiten erhalten, um verwacklungsfreie Bilder zu bekommen. Derselbe Effekt kannst du dir aber auch bei Aufnahmen draussen zu nutzen machen, denn auch dort können die Lichtverhältnisse schnell schlecht werden. Gerade wenn du kein besonders lichtstarkes Objektiv hast, wirst du schnell einmal an die Grenze der möglichen Verschlusszeiten kommen. Hier hilft es, die ISO etwas zu erhöhen.

In vielen Fällen reicht es bereits aus, die ISO auf 200 oder 400 zu erhöhen. Dabei hast du bereits deutlich mehr Möglichkeiten bei den anderen Kamerawerten etwas zu spielen. Ich bin dabei jedoch der Meinung, dass du im Zweifelsfall lieber die höhere ISO wählen solltest. Lieber ein verrauschtest als ein unscharfes oder gar kein Bild!

50mm, f 8.0, ISO 250, 1/250

Bei dem Bild musste iauf ISO 250, damit trotz Wind das Schilf einigermassen scharf abgebildet wird.

Wie hoch du gehen kannst, ohne dein Bild aufgrund des hohen Rauschens unbrauchbar zu machen, musst du mit deiner Ausrüstung selbst herausfinden. Dabei ist auch die gewünschte Betrachtungsgrösse des Bildes entscheidend. Willst du das Foto nur auf dem Smartphone anschauen, verträgt das Bild deutlich mehr, als wenn du es dir zu Hause in Grossformat an die Wand hängen willst.

ISO-Automatik ja oder nein?

Die meisten Kameras bieten eine sogenannte ISO-Automatik an. Dabei berechnet die Kamera automatisch, welche ISO du bei den aktuellen Lichtverhältnissen brauchst.

Gerade wenn du neu in der Fotografie bist, kann dies eine sehr gute Hilfe sein. Auch wenn du Blitzschnell zwischen verschiedenen Lichtverhältnissen wechseln muss, kann dir diese Einstellung das Bild retten.

Ich empfehle jedoch, dabei immer die ISO Werte welche von der Kamera gewählt wurden zu beobachten. Meist wird diese beim Blick durch den Sucher eingeblendet. So lernst du sehr schnell, wann du welche Werte brauchst.

Was du unbedingt tun solltest, ist das Festlegen eines Höchstwertes. So wählt die Kamera nur ISO Werte bis zu dieser Grenze. So kannst du verhindern, dass auf einmal unbrauchbar hohe Einstellungen gewählt werden. Setzt du diesen Wert zum Beispiel auf 400 oder 800 wirst du am Schluss noch eine sehr gute Bildqualität haben, bist aber bei den Einstellungen sehr flexibel und wirst in vielen verschiedenen Lichtsituationen gute Bilder schiessen können. Natürlich sind bei modernen Kameras auch werte bis 1600 oder 3200 als Höchstwerte absolut vernünftig.

Allerdings passiert es mit der ISO-Automatik immer wieder, dass die Kamera die ISO erhöht, obwohl zum Beispiel einfach eine kleinere Blende gereicht hätte. Deshalb ist dieser Automatikmodus, wie die meisten seiner Art, eine sehr gute Hilfe aber nicht in allen Situationen die beste Wahl.

ISO im Zusammenspiel mit den halbautomatischen Modi

Die ISO lässt sich wunderbar in Zusammenarbeit mit den halbautomatischen Kameramodi wie Zeitautomatik und Blendenautomatik verwenden. Bei beiden Modi wählst du ja einer der Parameter und die Kamera ergänzt den zweiten durch ihre Berechnung. Wenn in der Zeitautomatik die berechneten Verschlusszeiten zu lang werden, kannst du einfach die ISO etwas erhöhen und erhältst dadurch gleich kürzere Verschlusszeiten.

Mit diesem Vorgehen wird es sehr viel einfacher, mit diesen Einstellungen zu arbeiten und man wird dabei auch sehr schnell beim Einstellen. Aussenstehende merken meistens gar nicht, dass du etwas an der Einstellung verändert hast, da du alles über wenige Handgriffe steuern kannst.

Welche ISO Einstellung in welcher Situation?

Grundsätzlich bieten moderne Kameras Werte ab ISO 100 (selten darunter) bis auf (teils weit) über 20’000. In meinen Augen ist bei den meisten Kameras der brauchbare Bereich bei ungefähr ISO 1600 oder 3200 erreicht. Ausnahmen gibt es dabei selbstverständlich.

Wie bereits erwähnt kommt es immer auf deine Ausrüstungen (vor allem lichtstarke Objektive) an, wie hoch du gehen musst. Deshalb kann ich dir hier keine genaue Empfehlung abgeben, wann du welche Einstellungen wählen solltest. Grundsätzlich ist eine Kamera von höherer Qualität in der Lage, besser mit hohen ISO Werten umzugehen.

Ein paar Grundsätze, welchen ich folge:

Fotos auf Stativ

Bei Fotos vom Stativ, bei welchen sich das Motiv nicht bewegt (Landschaften), wähle ich fast ausschliesslich ISO 100 um die bestmögliche Bildqualität zu erhalten. Schliesslich kann ich hier problemlos die Verschlusszeit erhöhen und das fehlende Licht dadurch ausgleichen.

Fotos bei Sonne

Bei viel Licht, gerade bei Sonnenschein, ist selten mit Problemen bezüglich dem vorhandenem Licht zu rechnen. Hier kommst du auch meistens bei ISO 100 aus.

Fotos draussen bei schlechten Lichtverhältnissen

In der Dämmerung, bei schlechtem Regen oder in einem dichten Wald kann das Licht schnell einmal knapp werden. In den meisten Fällen kommst du dabei mit ISO 400-800 gut aus.

Fotos in Innenräumen

Willst du ohne Blitz arbeiten hast du sehr häufig bei Fotos in Innenräumen ein Problem. Hier brauchst du schnell einmal ISO Werte von 800 oder noch höher.

exotischer_vogel_foto
185mm, f8.0, ISO3200, 1/250

Bei diesem Bild im Tropenhaus war es zwar hell, aber doch nicht hell genug, dass ich gute Verschlusszeiten mit weniger ISO erreichen konnte.

Nachtfotografie

Die Nachtfotografie ist ein sehr spannendes Thema und lässt sich hier nicht vollständig abhandelt. Grundsätzlich kannst du bei der Arbeit vom Stativ mit stehenden Motiven sogar mit ISO 100 arbeiten wenn die Zeit keine Rolle spielt. Aus der Hand musst du natürlich die ISO-Empfindlichkeit massiv erhöhen. Vielleicht reicht das Licht sogar bei sehr hohen Werten nicht mehr.

Eine Ausnahme dieser Regeln bildet die Fotografie der Milchstrasse oder von Sternen. Hier arbeitest du mit Stativ, musst aber trotzdem so viel Licht wie möglich einfangen. Deshalb wird hier häufig mit ISO Werten von 1600 oder 3200 (oder noch höher) gearbeitet. Bei weniger Empfindlichkeit kannst du die feinen Sterne einfach häufig gar nicht mehr aufs Bild bekommen.

11mm, f 2.8, ISO 1600, 25 Sek.

Bildrauschen bei der Bearbeitung entfernen

Bildrauschen lässt sich in den meisten Bearbeitungsprogrammen auch nachträglich noch entfernen. So bietet zum Beispiel Lightroom die entsprechenden Regler an.

Doch leider verlierst du neben dem Bildrauschen dabei auch sehr schnell wichtige Bildinformationen. Ein klein wenig entrauschen geht immer, wenn du das aber zu stark machst, leidet sehr schnell deine Bildqualität und dein Werk wirkt irgendwann nur noch schwammig. Deshalb solltest du mit diesen Reglern sehr vorsichtig sein.

Aus diesen Gründen ist die nachträgliche Rauschentfernung nur ein Notnagel und sollte nicht in zu starkem Masse verwendet werden.

Fazit

In meinen Anfangszeiten war diese ISO für mich ein regelrechter Feind. Ich traute mich da nicht ran und verstand das Ganze sowieso nicht. Als ich mich zwang, die Automatik auszuschalten lernte ich es jedoch sehr schnell. Die Wahl der richtigen ISO Werten wird dir jedoch schon bald keine Probleme mehr bereiten wenn du dich einmal an diese Einstellung ran traust. Du kannst ja, Digitalfotografie sei Dank, immer sehr schnell nachkorrigieren.

Die wichtigsten Punkte:

  • Der ISO Wert regelt die Empfindlichkeit des Sensors.
  • Tiefe ISO Werte bringen die beste Qualität, brauchen aber auch viel Licht (oder Zeit).
  • Hohe ISO Werte helfen bei schlechten Lichtverhältnissen, führen aber schnell zu unschönem Rauschen.
  • Der richtige ISO Wert muss in Abstimmung mit dem verwendeten Equipment und der Situation immer wieder neu gefunden werden.

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