Blende erklärt – Der Weg zum verschwommenen Hintergrund

Blende? Das hat nichts mit geblendet werden zu tun. Bei der Blende handelt es sich um einen der drei Faktoren von Blende, Verschlusszeit und ISO die über ein korrekt belichtetes Bild entscheiden. Die Blende nimmt dabei die Funktion ein, wie viel Licht auf den Sensor durchgelassen werden soll. Die Funktionsweise ähnelt dabei dem menschlichen Auge. Bei wenig Licht (es muss daher viel Licht genutzt werden um zu sehen) wird die Pupille gross. In der Sonne wiederum werden unsere Pupillen deutlich kleiner, damit wir weniger geblendet werden. Und nach genau dem Schema funktioniert die Blende.

Viele Fotografen schätzen die Blende ganz besonders, weil sie es uns ermöglicht, einen Teil des Bildes (z. Bsp. den Hintergrund) unscharf erscheinen zu lassen.

Blendenreihe

Am Anfang ist es elementar zu verstehen, wie die Angaben zur Blende zu lesen sind. Meistens liest man Dinge wie Blende 2.8, f2.8, 2.8 f oder noch weitere Variationen. Dabei ist eigentlich immer dasselbe gemeint, die Einstellung der gewählten Blende.

Wenn du dich länger mit der Fotografie beschäftigst, wird dir auffallen, dass du immer wieder über dieselben Blendenzahlen stolperst. Dies ist kein seltsamer Zufall, sondern basiert auf der sogenannten Blendenreihe. Diese lautet wie folgt:

Blendenreihe Grafik
Blendenreihe Grafik

Zusammengefasst lässt sich sagen:

Grosse Blende – kleine Zahl – viel Licht

Kleine Blende – grosse Zahl – wenig Licht

Gerade in den Anfängen führt dies häufig zu Verwirrung, da gerne eine kleine Blende aufgrund der grossen Zahl als besonders Lichtstark aufgefasst wird.

Die Erklärung zur Tiefenschärfe und Lichtstärke folgt in den nächsten Absätzen.

Lichtstärke

Wie bereits beschrieben ist die Blende dafür zuständig, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass eine Stufe in der Blendenreihe immer doppelt so viel Licht (z. Bsp. 4 -> 2.8) oder halb so viel Licht (z. Bsp. 4 -> 5.6) durchlässt.

Was heisst das in der Praxis:

Ein Foto ist mit folgenden Einstellungen optimal belichtet:

ISO 100, f4, 1/50 Sekunde

Jetzt möchte man z. Bsp. die Verschlusszeit halbieren, damit man keine Unschärfe durch das Verwackeln im Bild hat. Als Ziel möchte man 1/100 Sekunde haben. Das heisst, wir brauchen doppelt so viel Licht um auf dasselbe Ergebnis zu kommen. Das entspricht dann:

ISO 100, F2.8, 1/100 Sekunde

So kann man recht schnell und einfach auch in Situation während dem fotografieren berechnen, wenn man etwas verändern möchte. Wenn du mit einem der Halbautomatischen Modi als Kameraeinstellung arbeitest (z. Bsp. Zeitautomatik) fällt das Ganze nicht ins Gewicht, da hier die Kamera die Berechnung übernimmt. Trotzdem ist es von Vorteil, die Blendenreihe zumindest in den unteren Regionen auswendig zu kennen.

Bei den meisten Kameras lassen sich die Blendenwerte feiner wählen. Gängig sind z. Bsp. 1/3 Blendenstufe, so können auch zwischenwerte wie 1.8 dabei herauskommen. Das kann in der Praxis nützlich sein um eine optimale Belichtung zu erhalten. Will man die Belichtung jedoch manuell berechnen wird’s dann schon etwas schwieriger. In welcher Stufe du die Blende in der Kamera einstellen kannst, ist meistens im Kamerainternen Menü wählbar.

Tiefenschärfe im Zusammenhang mit der Blende

Der andere Faktor der durch die Blende beeinflusst wird ist die Tiefenschärfe (auch Schärfentiefe genannt). Grundsätzlich wird beim Fokussieren nur eine Gewisse Ebene in der Distanz scharf gestellt. Alles was davor oder dahinter ist wird früher oder später unscharf.

Tiefenschärfe Grafik

Die Blende beeinflusst dieses Ergebnis insoweit, dass eine weit geöffnete Blende (z. Bsp. 2.8) eine bedeutend geringere Tiefenschärfe hat, als wenn deutlich abgeblendet (z. Bsp. Blende 16) wurde.

Zusätzlich zur Blende beeinflusst die Brennweite die Tiefenschärfe massgeblich. Desto länger die gewählte Brennweite ist, desto geringer ist der zur Verfügung stehende Schärfebereich. Dies wird häufig gezielt eingesetzt, um eine noch bessere Freistellung zu ermöglichen. Dies ist einer der Gründe, weshalb in der Portraitfotografie so gerne ein 70-200mm f2.8 Objektiv eingesetzt wird.

Hier findest du einen Tiefenschärferechner, der das ganze eigentlich bestens erklärt.

Ein Beispiel:

50mm an einer Crop Kamera (zum Beispiel Nikon d7200)

Distanz 150cm

Blende Schärfebereich von Schärfebereich bis Total Schärfebereich
1.4 148 cm 152 cm 4 cm
2.8 145 cm 155 cm 10 cm
5.6 141 cm 160 cm 19 cm
8 137 cm 165 cm 28 cm

Das zeigt deutlich, wie sich der Schärfebereich verändert. Dies kann einerseits als Stilmittel eingesetzt werden (z. Bsp. verschwommener Hintergrund bei Portrait). Andererseits wollen wir gerade bei der Landschaftsfotografie doch häufig möglichst viel Schärfe. Deshalb wird dort häufig auf Blende 11 oder 16 oder gar noch weiter abgeblendet.

Schauen wir uns einmal zwei Praxisbeispiele an:

Blendenreihe bei 50mm

Bei dieser Bildreihe wurde mit dem Nikon 50mm f1.8 Objektiv dasselbe Motiv 5 Mal aufgenommen. Die Blende habe ich dazu immer weiter geschlossen. Man sieht hier wunderbar, wie sich der Hintergrund immer stärker zu erkennen gibt.

Blendenreihe bei 50mm

Hier nochmals ein Beispiel, wie sich das ganze bei Landschaften auswirkt. Man beachte die Berge und die Boote. Beide Bilder sind out of Cam ohne Nachschärfen oder ähnlichem.

Eine weit geöffnete Blende ist ja eigentlich ganz toll magst du jetzt denken. Viel Lichtstärke und viel Freistellung des Models. Der Traum vieler Fotografen.
Allerdings darf der kleine Schärfebereich nicht unterschätzt werden. Wie wir oben sehen, bleiben bei Blende 1.4 noch 4 cm. Wenn wir jetzt noch etwas mehr Brennweite nehmen, sind wir dabei noch tiefer. Sitzt der Fokus dabei nicht ganz haargenau dort wo du ihn haben willst, hast du sofort unscharfe Bilder. Auch wird in solchen Situationen häufig ein Auge scharf, das andere aber schon leicht verschwommen abgebildet. Das kann gut aussehen, muss aber nicht!

Deshalb ist es extrem wichtig, beim Spiel mit der Tiefenschärfe immer das richtige Mass zu finden. Im Zweifelsfall nehme ich persönlich zwei Bilder mit unterschiedlicher Blende auf, so kann ich zu Hause am Rechner das bessere wählen.

Lichtstärke bei Objektiven

Die maximale Lichtstärke (kleinste Blendenzahl) ist bei Objektiven vorgegeben. Die Kamera hat hier keinen Einfluss.

Die Unterschiede bei den verfügbaren Objektiven ist gewaltig. Deshalb solltest du dir immer genau überlegen, wofür du dein Objektiv einsetzen willst. Fehlende Lichtstärke bei einem Glas lässt sich nur mit grossem Verlust (Stichwort ISO-Empfindlichkeit) kompensieren. Wenn man ehrlich ist, geht nichts über möglichst viel verfügbare Lichtstärke bei einem guten Objektiv.

Wie sind die Angaben zur Blende bei Objektiven zu lesen?

Schauen wir uns gleich ein Beispiel an:

Kitobjektiv 18-55 mm* hat Blende 3.5 – 5.6

Zwei Blendenwerten heisst, dass die grosse Blende, hier 3.5, beim kleinsten Ende (18mm) verfügbar ist. Die Blende 5.6 ist dagegen beim grössten Ende (55mm) möglich. Dazwischen Stuft sich das ganze ab. Das heisst, wir haben bei diesem Objektiv bei der beliebten Einstellung von 50-55mm nur eine Blende von 5.6 zur Verfügung.

Nikon D5100 mit Kitobjektiv 18-55mm

Nehmen wir als Vergleich (das von mir gern genutzte) Tamron 17-50 f2.8.*

Hier siehst du, dass wir nur eine Blendenzahl haben. Das heisst, das Objektiv verfügt über eine durchgehende Blende von 2.8. Sie verändert sich also nicht, wenn du eine andere Brennweite am Zoom wählst.

Im Vergleich zum oben genannten Nikon Objektiv haben wir also zwei ganze Blendenstufen mehr. Im Endbereich um die 50mm. Wir können hier also schon mit deutlich schnelleren Belichtungszeiten oder tieferen ISO Werten fotografieren. Diese zwei Blenden machen in der Regel den Unterschied, ob du bei Fotos drinnen den Blitz benötigst, oder ob du mit dem vorhandenem Licht noch klar kommst.

Gehen wir jetzt noch eine Stufe weiter:

Festbrennweite Nikon 50mm f1.8

Hier handelt es sich jetzt nicht um ein Zoom, sondern um ein Objektiv das nur eine Brennweite hat (Festbrennweite). Dadurch kann das ganze Objektiv anders gebaut werden (in dem Fall auch kleiner und leichter als die oben genannten) und hat nochmals eine deutlich bessere Lichtstärke.

Zum Vergleich bei 50mm:

Nikon 50mm f1.8 im Vergleich zum Tamron 17-50 f2.8:                1 1/3 Blendenstufen mehr

Nikon 50mm f1.8 im Vergleich zum  Nikon 18-55 3.5-5.6:            3 1/3 Blendenstufe mehr

Das sind in der Praxis massive Unterschiede. Aus diesem Grund empfehle ich wann immer möglich, gerade für Brennweiten bis und mit ca. 50mm ein möglichst Lichtstarkes Objektiv zu kaufen. Selbstverständlich sind auch Objektive mit Blende 1.4 oder 1.2 erhältlich. Diese sind jedoch in der Regel deutlich teurer, weshalb ich sie jetzt mal aussen vorlasse. Wenn du allerdings noch mehr Qualität in der Tasche möchtest, lohnt sich ein Blick zu diesen Objektiven auf jeden Fall.

Blende und Schärfe

Grundsätzlich sind die meisten Objektive bei Offenblende (grösste zu wählende Blende) nicht gleich Scharf, wie sie etwas abgeblendet sein können. Desto besser die Qualität des Objektivs ist, desto geringer ist dieser Effekt in der Regel festzustellen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich bei den meisten Objektiven ein wenig abzublenden, sofern die Umstände und die Bildgestaltung dies erlauben. Bei den im Netz verfügbaren Testberichten zu Objektiven ist häufig auch eine entsprechende Angabe zu finden, bei welcher Blende die Objektive am schärfsten sind.

In den meisten Fällen hilft es bereits, wenn um eine halbe oder ganze Blendenstufe abgeblendet wird, das Abbildungsergebnis ist meistens schon bedeutend schärfer.

Lerne hier deine Objektive kennen, bei welcher Blende dir das Abbildungsergebnis am besten gefällt.

Es darf jedoch nicht beliebig abgeblendet werden, jedes Objektiv erreicht seine maximale Auflösung bei der sogenannten förderlichen Blende. Diese liegt meistens irgendwo zwischen Blende 4 und 11. Wird weiter abgeblendet, tritt auch hier wieder der Effekt ein, dass das Abbildungsergebnis etwas schlechter wird. Grundsätzlich ist aber die gewonnene Tiefenschärfe durch das Abblenden von grösserer Bedeutung als die mögliche Unschärfe durch eine entsprechende Blendenwahl.

Fazit

  • Um möglichst viel Licht einfangen zu können, muss eine weit geöffnete Blende (kleine Blendenzahl!) gewählt werden.
  • Möchtest du den Hintergrund unscharf erscheinen lassen, wähle eine möglichst weit geöffnete Blende (kleine Blendenzahl!).
  • Willst du eine grosse Tiefenschärfe erreichen (z. Bsp. bei der Landschaftsfotografie) ist weiter abblenden in der Regel die beste Wahl.
  • Die Lichtstärke der Objektive ist fix vorgegeben, entsprechend sollte schon beim Kauf darauf geachtet werden, wofür das Objektiv verwendet wird.
  • Abblenden um eine halbe oder ganze Blende kann das Abbildungsergebnis positiv beeinflussen.

 

 

Verschlusszeit erklärt – Tipps zur Einstellung an der Kamera

Bei der Verschlusszeit (auch Belichtungszeit genannt) handelt es sich um einen der Faktoren, welche für ein korrekt belichtetes Bild zuständig sind. Jedoch lassen sich darüber hinaus die unterschiedlichen Belichtungszeiten wunderbar zum Erreichen von verschiedenen Bildstilen verwenden.

Nachfolgend die drei wichtigsten Punkte, für welche die Verschlusszeit entscheidend ist. Wer gerne noch mehr Infos dazu möchte, findet in den weiteren Absätzen dieses Artikels noch mehr Details.

Die drei wichtigsten Auswirkungen der Verschlusszeit:

Scharfe Bilder / Verwacklungen vermeiden
Durch die Wahl der richtigen Belichtungszeit lässt es sich verhindern, dass Bilder unscharf werden, weil wir die Kamera zu wenig ruhig halten. Die dabei einzusetzende Verschlusszeit hängt stark von der Brennweite und einem allfällig vorhandenen Bildstabilisator ab.

Lichtmenge für die Belichtung
Durch die Zeitdauer der Belichtung kann gesteuert werden, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Bei 1/100 Sekunde fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor wie bei 1/200 Sekunde. Zusammen mit der Einstellung der Blende kann so die korrekte Belichtung des Motivs erreicht werden.

Bildgestaltung durch Kurz- und Langzeitbelichtung
Durch unterschiedliche Belichtungszeiten kann auf unterschiedliche Motive und Bildsituationen reagiert werden. Sind aufgrund schnellen Bewegungen kurze Belichtungszeiten nötig, so können bei wenig Licht oder für gewünschte «weichmacher» Effekte Langzeitbelichtungen die richtige Wahl sein.

Verwackeln verhindern

Ein Mensch kann eine Kamera nie ganz ruhig halten, egal wie viel Mühe er sich gibt. Das führt dazu, dass bei zu langen Belichtungszeiten die Bilder nicht mehr scharf, sondern verwackelt werden. Die Zeit die nötig ist um scharfe Bilder zu bekommen hängt von der Brennweite ab. Eine erste Orientierung gibt dazu eine alte Foto-Regel:

Belichtungszeit darf maximal der Brennweite entsprechen.
Beispiel: Bei Brennweite 50mm sollte die Verschlusszeit nicht länger als 1/50 sein. Bei 200mm entsprechend mindestens 1/200.

Wichtig: Die Regel bemisst sich auf die Brennweite im Vollformat. Wer also ein anderes Sensorformat verwendet muss den Cropfaktor entsprechend dazu rechnen. Bei einer APSC Nikon Kamera ergäbe die oben genannten Beispiele also:

Brennweite 50mm = Kürzeste Verschlusszeit 1/75 (50mm Brennweite mit Faktor 1.5 entsprechen 75mm am Vollformat).
Brennweite 200mm = Kürzeste Verschlusszeit 1/200 (200mm Brennweite entsprechen 300mm a Vollformat).

Des weiteren gilt es zu beachten, dass diese Regel bloss ein grober Richtwert darstellt. Es gibt Leute, die scheinen die Ruhe selbst zu sein und können die Kamera auch länger ruhig halten. Aber auch das Gegenteil ist der Fall, bei manchen reichen diese Mindestwerte nicht und sie müssen noch höher gehen. Hier solltest du selbst für dich herausfinden, was bei dir nötig ist. Wenn du mit oben genannten Richtwerten beginnst, bist du jedoch sicherlich schon recht gut beraten. Auf jedenfall lohnt es sich, zwischendurch mal kurz aufs Display zu schauen und in der 1:1 Ansicht zu prüfen, ob dein Bild scharf ist. Wenn nicht, kannst du die Kameraeinstellungen entsprechend korrigieren.

Wird mit einem Stativ gearbeitet sind all diese Beschränkungen überflüssig. Da wir dort nicht mehr aus der Hand fotografieren, werden entsprechend auch keine Verwackelungen von uns verursacht.

Einfluss des Bildstabilisators (VC/VR etc.)

Viele moderne Objektive (und teilweise mittlerweile sogar Kameras) verfügen über einen Bildstabilisator. Dieser macht genau das, was der Name sagt. Er stabilisiert die Aufnahme während ihr euch bewegt.

Dies führt dazu, dass (falls es das Motiv erlaubt!) längere Verschlusszeiten möglich sind. Je nach Objektiv können sind das ca. 1-3 Blendenstufe.

Beispiel: Bildstabilisator mit Hilfe um 2 Blendenstufen

Brennweite 100mm an Vollformat erfordert ohne Stabilisator 1/100 Sekunde Verschlusszeit.
Mit Stabilisator können wir zwei Blenden länger werden. Das heisst es wäre nun 1/25 Sekunde möglich.

Dabei ist anzumerken, dass diese Werte von den Herstellern sehr gerne äusserst optimistisch angegeben werden. Lerne deine Objektive kennen und du wirst auch hier merken, was du deinem Objektiv (oder besser dessen Stabilisator) zutrauen kannst. Das Bild hier unten ist eine Makroaufnahme und wurde aus der Hand mit Werten unter der genannten Regel geschossen. Bildstabilisator sei dank!

hagebute_beere_herbst_makro
90mm, f8, 1/80, ISO 100

Ich persönlich schätze Objektive mit Bildstabilisator sehr. In Alltagssituationen ohne Blitzlicht helfen sie immer mal wieder, trotzdem noch Scharfe Bilder zu bekommen, auch wenn es sonst gar nicht mehr möglich wäre. Bzw. ohne Stabilisator müsste man bei der ISO-Empfindlichkeit in Bereiche gehen, die auch nicht mehr schön sind. Deshalb ist bei mir der Bildstabilisator, ausser wenn ich mit Stativ arbeite, fast ausnahmslos angeschaltet, sofern mein Objektiv über einen solchen verfügt.

Die richtige Belichtungszeit für eine korrekte Belichtung

Die Belichtungszeit ist massgebend, damit du ein korrekt belichtetes Bild erhältst.Wie lange du belichten musst, ist selbstverständlich von den anderen Einstellungen wie der Blende und der ISO-Empfindlichkeit abhängig. Damit du nicht alles von Hand ausrechnen oder durchprobieren musst, kann dir die Kamera mit ihren internen Berechnungen je nach gewähltem Kameramodus dabei helfen.

Treffen wir als Beispiel mal ein paar Annahmen.

Bildgestaltung mit der richtigen Belichtungszeit

Nebst den oben genannten Minimalwerten die es zu beachten gibt, dient die Verschlusszeit jedoch auch als äusserst wichtiges (und wunderbares!) Mittel um einem Bild die gewünschte Wirkung zu geben. Während bei ruhigen Motiven (stillstehende Person zum Beispiel) mit den oben genannten Minimalwerten gut gearbeitet werden kann (sofern die Belichtung stimmt), ist es in vielen Situationen nötig auf Kurz- oder Langzeitbelichtung zu wechseln.

winter_sturm_thunersee
50mm, f8, 1/250, ISO 250

Für dieses Bild habe zuerst 1/500 Sekunde bei Blende 8 und Iso 500 genutzt. Die Einstellung war noch so drin, da ich vorher noch sich bewegende Vögel im Bild hatte. Nun wollte ich jedoch noch etwas bessere Bildqualität (sprich ISO Reduzieren) ohne etwas an der Belichtung zu verändern. Also ging ich mir der ISO auf 250 runter und verlängerte die Verschlusszeit entsprechend um das doppelte auf 1/250. So habe ich die ISO-Empfindlichkeit halbiert, und dafür gleichzeitig die dafür benötigte Zeit verlängert. So komme ich wieder auf dasselbe Ergebnis, habe aber weniger rauschen (wenn auch im geringen Rahmen natürlich) im Bild.

Kurze Verschlusszeiten

Wollt ihr ein Motiv scharf abbilden, welches sich schnell bewegt (Sportler, Fahrzeuge, Tiere, Wasser etc.) sind kurze bis sehr kurze Verschlusszeiten zwingend.

moewe_im_flug
300mm, f11, 1/1600, ISO 640

Bei diesem Bild einer fliegenden Möwe wählte ich eine Verschlusszeit von 1/1600 Sekunde und konnte so den sich schnell bewegenden Vogel durchgehend Scharf abbilden. Bei einer kürzeren Verschlusszeit wäre dies nicht möglich gewesen.

spritzendes_wasser_thunersee_sonnenuntergang
24mm, f11, 1/400, ISO 100

Bei diesem (eigentlich ganz guten) Bild habe ich leider zu wenig auf die Verschlusszeit geachtet. Wenn man genau hinsieht erkennt man, dass die Wasserspritzer (rechts im Bild) leicht unscharf sind aufgrund der Bewegung. Bemerkenswert ist dabei, dass ich hier mit 1/400 Sekunde schon in einem sehr schnellen Bereich unterwegs gewesen bin. Hier wäre ein kürzerer Wert die richtige Wahl gewesen. Dieser Fehler ärgert mich noch immer so sehr, dass ich jetzt immer ganz genau darauf achte, was für Werte ich wähle. Eine solche Situation mit diesem Sonnenuntergang kombiniert mit diesen starken Wellen haben wir hier am See nur selten.

Es muss aber nicht immer so extrem wie in den oben abgebildeten Motiven sein. Schon eine sich bewegende Person wirst du mit 1/50 Sekunde immer unscharf abgebildet bekommen. Gerade beim Fotografieren von Kindern muss dies beachtet werden (die kleinen hören leider nur sehr schlecht auf «Halt mal still»).

Langzeitbelichtungen

Lange Belichtungszeiten sind aktuell unglaublich in Mode. Du kennst sicher die Bilder der samtig erscheinenden Wasserfälle. Auf Instagram und Co finden sich solche Bilder zu tausenden. Und nun ja, ich gebe zu ich finde das eigentlich auch sehr ansprechend!

Wird bei Wasser mit einer langen Belichtungszeit (mind. 1-2 Sekunden, je nach Situation mehr) Belichtet, bekommt es diesen extrem weichen Look. Das funktioniert nicht nur bei Wasserfällen, auch Wellen auf einem See können so praktisch komplett zum Verschwinden gebracht werden.

Steine im Blauen Wasser im Sonnenunergang
Nikon D7200 mit Tamron 17-50 f2.8: ISO 100, 50mm, F16, 13 S.

Bei dem Bild waren 13 Sekunde Belichtungszeit angesagt, somit wurde aus dem welligen Wasser beinahe ein Nebel der die Steine zu umhüllen scheint.

Willst du solche Langzeitbelichtungen am Tag durchführen wirst du wohl immer wieder das Problem haben, dass deine Bilder überbelichtet werden aufgrund des vielen Lichts der Sonne. Hier hilft ein entsprechender Graufilter für Abhilfe. Hier ein Blogeintrag von Stephan Wiesner zu den Graufiltern, falls du dazu noch etwas mehr wissen möchtest.

Auch bei der Nachtfotografie sind lange Belichtungszeiten in der Regel nötig, um trotzdem ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten. Hast du dabei sich bewegende Lichter im Motiv (typischerweise Verkehr), so ziehen sich diese in die Länge, was auch zu wunderbaren Effekten führen kann.

Willst du in einem Bild die Sterne abbilden, ist in der Regel auch eine Langzeitbelichtung notwendig. Hierzu sei erwähnt, dass du hier bei zu langen Belichtungszeiten «Sternspuren» erhältst. Diese möchtest du vielleicht verhindern. Wie du das machst, wird in diesem Artikel erklärt.

milchstrasse_niesen_thunersee_schweiz
11mm, f2.8, 30 S, ISO 1600

Stativ

Bei all den oben genannten Situationen, bei welchen du mit einer Langzeitbelichtung arbeiten willst, ist es unabdinglich mit einem Stativ zu arbeiten (oder die Kamera irgendwo fest abzustellen). Nur so kann ein scharfes Bild erreicht werden.
Dabei solltest du folgendes beachten:

– Löse die Kamera mit einem Fernauslöser oder mit dem Selbstauslöser aus.
– Wähle (sofern möglich) die Spiegelvorauslösung um kleinste Wackler zu verhindern.
– Schalte den Bildstabilisator aus, dieser kann bei Langzeitbelichtungen zu unscharfen Bildern führen.
– Besorge ein stabiles Stativ das nicht schon beim kleinsten Wind wackelt.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich einen Artikel über die Fotografie mit dem Stativ nachreichen wo ich noch im Detail auf die genannte (und weitere) Punkte eingehen werde.

Belichtungszeit bei der Verwendung von Blitzen

Auf die Belichtungszeit bei der Verwendung von Blitzen möchte ich hier nur ganz kurz eingehen. Es handelt sich dabei selbst um ein so grosses Thema, das hat einen eigenen Artikel verdient.

Bei der Verwendung mit Blitzen bist du in vielen Fällen an die maximale Blitzsynchronzeit deiner Kamera / deiner Blitze gebunden (in der Regel bei 1/200 oder 1/250). Dies ist jedoch kein Problem, da der Blitz selber sehr viel kürzer ist und dafür sorgt, dass das Motiv «eingefroren» wird.

Dieser Effekt lässt sich sehr gut einsetzen, wenn ein schnelles Motiv nur ganz kurz Belichtet werden soll. Beim folgenden Bild wollte ich den Rauch des eben ausgegangenen Streichholzes einfrieren, so dass dieser Scharf abgebildet wird. Da sich dieser recht schnell bewegt, konnte ich diesen trotzdem sehr gut abbilden.

streichholz_rauch_foto
90mm, f13, 1/160, ISO 100

Belichtest du etwas länger und arbeitest trotzdem mit Blitz, kann dies zu äusserst interessanten Bildern führen. Du hast so das Umgebungslicht mit im Bild. Dies kann nützlich sein, wenn du eine Person anblitzen willst, aber im Hintergrund noch die Lichtstimmung des Sonnenuntergangs einfangen möchtest.
Meistens wird bei dieser Technik der Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang (am Ende der Belichtung) gewählt. So kannst du auch sehr spannende Effekte bei sich bewegenden Objekten erreichen. Zum Beispiel kannst du so zeigen, dass ein Motiv in Bewegung ist, das Motiv selbst aber trotzdem Scharf abbilden. Hier auch noch ein weiterführender Artikel dazu.

Fazit

– Die Verschlusszeit aus der Hand sollte maximal dem Faktor 1:1 der Brennweite bei Vollformat entsprechen (50mm, maximale Verschlusszeit 1/50 S).
– Bei sich bewegenden Motiven ist eine kurze Verschlusszeit nötig.
Langzeitbelichtungen sind bei wenig Licht oder wenn Wasser weichgezeichnet werden soll angesagt.

Ich persönlich mag das Spiel mit den Verschlusszeiten. Ich versuche in der Praxis immer mal wieder aus, wie sich der Bildlook verändert, wenn ich etwas an der Zeit drehe. Stehst du besonders auf ganz kurze Verschlusszeiten und perfekt eingefroreren Motive oder bist du eher der Langzeitbelichtungs-Typ? Lasse mir doch einen Kommentar dazu da.

Schmetterlinge fotografieren im Tropenhaus

Nun beginnt sie wieder, die Zeit bei welcher das Wetter lange trüb und nass ist. Wenig Licht, wenig Kontraste und wenig Ideen für spannende Fotoabenteuer. Wer sich für Studio- und Produktfotografie interessiert nutzt die Zeit vorzugsweise für Fotoshootings drinnen. Wer sich jedoch draussen zu Hause fühlt und sich der Naturfotografie zugewandt hat, bangt teilweise lange auf den nächsten Tag mit guten Bedingungen. Eine Alternative dafür habe ich im letzten Winter gefunden. Ein paar Schmetterlinge im Winter fotografieren? Das tönt doch spannend oder?

Der perfekte Familienausflug mit Fotografieren

Etwa eine Fahrstunde von uns entfernt gibt es das Papillorama, ein Tropenhaus bei welchem sich unter mehreren Kuppeln ganzjährig hohe Temperaturen, exotische Pflanzen und Tiere finden. Während eine Kuppel stets dunkel ist, damit nachtaktive Tiere beobachtet werden können, ist eine Kuppel als Schmetterlingshaus und eine weitere als Nachbildung des Regenwaldes ausgebaut.

Solche Tropenhäuser finden sich überall im deutschsprachigen Raum. Diese exotischen Farbtupfer eignen sich wunderbar, um einen Ausflug mit der Familie zu machen und gleichzeitig ein paar tolle Bilder zu schiessen.

Was du unbedingt beachten sollte ist, dass du den grössten Besucherströmen etwas aus dem Weg gehen kannst, ansonsten wird dein Ausflug sehr schnell zum Ärgernis. Gerade am nach dem Öffnen der Anlage ist meistens die beste Zeit (und wenn möglich natürlich nicht am Wochenende, aber da hat nicht jeder die Möglichkeit dazu). Und – wichtig – informiere dich im Voraus, ob das Fotografieren überhaut erlaubt ist. Es gibt hier immer wieder Einschränkungen.

schmetterling_foto_1
90mm, f4.5, ISO 400, 1/800

Ausrüstung

Je nachdem wie das Ausflugsziel ausgebaut ist, kommt man näher oder weniger nah an die Tiere heran. Ich gehe grundsätzlich mit zwei Objektiven auf die Pirsch:

Makroobjektiv mit Brennweite zwischen 50mm und 150mm

Bei der Schmetterlingsfotografie ist ein Makroobjektiv natürlich erste Wahl. Du bekommst so eine erstklassige Abbildungsqualität und mit etwas Brennweite kriegst du das Tier auch gross genug aufs Bild. Ich nutze dazu mein 90mm Tamron Makroobjektiv, welches mir aufgrund der Brennweite am APSC ermöglicht, auch mal ein Tier abzulichten dass ich nicht schon fast mit der Linse berühren kann.

Wenn dein Makroobjektiv noch Lichtstark dazu ist, hast du gleich doppelt gewonnen. Denn auch wenn die Kuppeln recht hell sind, wenn es draussen Trüb ist, können die Lichtverhältnisse für uns Fotografen durchaus auch dort drinnen kritisch werden.

Was ich persönlich an meinem Objektiv schätze ist der Bildstabilisator. Da in solchen Anlagen ein Stativ in den meisten Fällen nicht erlaubt, oder zumindest nicht praktisch einsetzbar ist, hast du hier bedeutend bessere Möglichkeiten. Willst du auch mal eine schöne Blüte einfangen, kannst du die Belichtungszeit etwas länger machen.

rote_blume_foto
90mm, f4.0, ISO 640, 1/60

Zoomobjektiv mit 200mm – 300mm

Ein Zoomobjektiv ist dann von Vorteil, wenn du auch mit Objekten etwas weiter entfernt rechnen darfst. Bei meinem Ausflugsziel ist in einem Teil der Anlage mit exotischen Vögeln zu rechnen. Diese sitzen jedoch nicht immer direkt am Weg. Grundsätzlich dürften aber hier in den meisten Fällen 200mm bis 300mm Endbrennweite reichen. Ein 500mm oder 600mm wäre mir hier zu lang und zu sperrig. Lieber am Computer noch etwas cropen als immer so ein Prügel mit sich herumtragen.

Was du unbedingt brauchst, ist ein schön weiches Microfasertuch! Nach dem Betreten des wirst du mit grösster Wahrscheinlichkeit mit einer beschlagenen Linse aufgrund der extrem hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen haben. Mit einem weichen und sauberen Mikrofastertuch lässt sich das Problem schnell beheben.

185mm, f8.0, ISO3200, 1/250

Einstellungen

Hier gibt es keine Allgemeingültige Empfehlung. Es kommt selbstverständlich darauf an, wie sich die Tiere gerade verhalten. Hier kommen die allgemeinen Reglen zum Zug. Schnellbewegende Tiere brauchen eine schnelle Verschlusszeit, Blumen und Schmetterlinge die sich ausruhen geben mehr Spielraum.

Wie bereits erwähnt, musst du unter Umständen mit schlechten Lichtverhältnissen rechnen. Damit du trotzdem noch brauchbare Verschlusszeiten erhältst, stellst du einfach die ISO-Empfindlichkeit etwas hoch.. Bei unserem letzten Besuch waren die Lichtverhältnisse richtig schlecht, ich musste teilweise bis ISO 3200 hoch gehen, um noch die nötigen Verschlusszeiten zu erreichen. Was etwas problematisch dabei sein kann ist, dass du bei sehr kurzen Distanzen mit dem Makroobjektiv auch abblenden musst, da die Tiefenschärfe sonst nur noch sehr klein ist. Mit diesem Problem kämpfe ich nach wie vor immer wieder, eine perfekte Lösung habe ich noch nicht gefunden.

schmetterling_auf_orange_foto
90mm, f4.0, ISO 640, 1/160

Bei diesem Bild sieht man wunderbar die Problematik mit der Tiefenschärfe (an den Fühlern).

Welchen Kameramodus du nutzt ist nicht so wichtig. Ich empfehle jedoch die Zeitautomatik, so kann ich schön die Tiefenschärfe selbst bestimmen und die Kamera kümmert sich um die Verschlusszeit. Gehe ich mit der ISO hoch, so habe ich auch schnellere Zeiten.

Bildgestaltung

Die Bildgestaltung mit Tieren ist immer etwas schwierig. Gerade wenn du auf dem Weg bleiben musst und dich nicht von jeder Seite dem Tier nähern kannst.

Grundsätzlich sollte versucht werden, ein paar wenige Grundregeln zu beachten:

  • Tier so gross wie möglich abbilden, aber auch etwas Platz für das drum herum lassen.
  • Die Drittelsregel lässt sich auch hier sehr gut anwenden.
  • Aufnahmen auf gleicher Höhe oder etwas höher als das Tier wirken immer besser als von ganz weit unten (wo möglich natürlich…).
oranger_schmetterling_blume_foto
90mm, f4.0, ISO 640, 1/160

Fazit

Tropenhäuser bilden eine wunderbare alternative, um auch während der eher trüben Jahreszeit mal ein paar schöne Tiere vor die Linse zu bekommen und um mal wieder etwas mehr Farben zu sehen. Da sich ein solcher Ausflug für die ganze Familie eignet, kann hier wunderbar Hobby und Familie kombiniert werden.

Das wichtigste:

  • Nimm, wenn vorhanden, ein Makro und Zoomobjektiv mit.
  • Informiere dich im Voraus, ob es Erlaubt ist zu fotografieren.
  • Ein Mikrofasertuch verhindert extrem lange Wartezeiten bis die Linse wieder klar ist, sollte diese beschlagen.

Und am Schluss noch eine Bitte: Verhalte dich anständig! Man sieht immer wieder Personen mit Kameras, die die Wege verlassen oder Pflanzen abbrechen, nur um ein noch besseres Foto zu bekommen. Das Schadet dem Tropenhaus und führt früher oder später zu mehr Fotoverboten an solchen Orten. Und schliesslich wollen wir ja auch von den anderen Besuchern nicht so wahrgenommen werden oder?

Hast du selbst auch schon im Tropenhaus fotografiert? Was sind eure Erfahrungen?

Welcher Kameramodus als Anfänger?

Moderne Kameras verfügen nicht nur über einen einzigen Kameramodus. Die meisten Kameras in allen möglichen Segmenten haben vor Allem eins gemeinsam, eine unglaubliche Fülle an Einstellmöglichkeiten und Funktionen. Gerade als Anfänger der das erste Mal eine DSLR oder Spiegellose in der Hand hält ist man meistens komplett überfordert. Schlussendlich endet es meistens darin, dass mit dem «grünen Modus», der Automatik, fotografiert wird. Im folgenden Artikel zeige ich euch, wie ich persönlich gelernt habe, die anderen Einstellungen zu verwenden.

Als ich die ersten Jahre zwar eine Spiegelreflexkamera besass, diese aber nur im Urlaub nutzte, waren die Ergebnisse mit allen Modi ausser der Automatik oder Scene mehr oder weniger unbrauchbar. Die Bilder mit der Automatik werden zwar in vielen Fällen ganz brauchbar, aber leider können viele gestalterische Möglichkeiten nicht gezielt eingesetzt werden. Vom Umgang mit schwierigen Situationen mal gar nicht gesprochen.

Bevor wir zur konkreten Empfehlung eines Modus kommen, möchte ich die vier Hauptmodi in wenigen Worten vorstellen, ohne dabei auf unnötig komplizierte technische Details einzugehen. Die Szenen Einstellungen lasse ich hier erstmal aussen vor.

Die Programmautomatik – P

Diese Einstellung geht schon sehr nahe zum Automatikmodus.  Die Kamera wählt hier automatisch die korrekte Verschlusszeit und die Blende die nötig ist, um eine (der Berechnungen der Kamera entsprechende) korrekte Belichtung zu erhalten. Damit gelingen in vielen Fällen schon ganz brauchbare Bilder, der Unterschied zur Automatik ist jedoch nur minimal.

Jedoch ist der grosse Nachteil dabei, dass ich weder mit der Belichtungszeit noch mit der Blende irgendeine Möglichkeit habe, die Bildgestaltung zu beeinflussen. Den einzigen Vorteil des Modus P ist es in meinen Augen, dass ich selbst die zu verwendende ISO-Empfindlichkeit einstellen kann.

Es gibt Kameramodelle, bei welchen in der Programmautomatik sowohl Blende oder Verschlusszeit verstellt werden kann und die Kamera die weiteren Parameter nachzieht. Dies ist jedoch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Ich muss an dieser Stelle jedoch zugeben, diesen Kameramodus noch nie über längere Zeit genutzt zu haben. Ich sehe für mich hier drin einfach keinen Vorteil.

Die Zeitautomatik – A

Die Zeitautomatik ist der Modus, der vor Allem zum Zug kommt, wenn die Verschlusszeit eher nebensächlich ist. Hier wählt man die gewünschte Blende und den ISO-Wert und die Kamera berechnet die Verschlusszeit so, dass eine optimale Belichtung entsteht.

Diesen Modus bietet sich vorwiegend in Situationen an, bei welchen über die Blende mit der Schärfentiefe gespielt werden möchte. Das hilft zum Beispiel bei Portraits, wenn man das Model mit einer grossen Blende (kleine Zahl!) vom Hintergrund freistellen möchte.
Aber auch bei der Landschaftsfotografie setze ich diesen Modus gerne ein, die Kamera übernimmt dann für mich die Berechnung der Belichtungszeit. Gerade in letzterer Situation muss man häufig noch manuell nachkorrigieren, der Anhaltspunkt ist aber gar nicht mal so schlecht.

vordergrund mit bokeh
35mm, f2.8 / 1/ 200 s. / ISO 320

Bei diesem Bild war die Verschlusszeit sekundär. Deshalb wählte ich die Zeitautomatik, dass ich das Spiel mit der Schärfentiefe mit schönem Bokeh machen konnte.

Die Blendenautomatik – S

Die Blendenautomatik macht genau das Gegenteil der Zeitautomatik. Die Kamera berechnet die nötige Blende, um im Zusammenspiel mit der gewählten Blende ein korrekt belichtetes Bild auszugeben. Wenn ihr also weniger Wert auf das gestalterische Mittel der Tiefenschärfe legt, ihr aber mit sich schnell bewegenden Motiven (Sport/Tiere/Kinder) zu tun habt, so könntet ihr mit der Blendenautomatik glücklich werden. Ihr könnt hier entsprechend eine schnelle Verschlusszeit wählen (z. Bsp. 1/800) und werdet dadurch ein scharfes Bild erhalten.

Selbstverständlich kann die Blendenautomatik auch eingesetzte werden, wenn ihr eine lange Verschlusszeit benötigt, z. Bsp. wenn ihr Wasser samtig erscheinen lassen wollt.

moewe in der Luft Foto
300 mm, f11, 1/1600 S, ISO 640

Hier wählte ich die Blendenautomatik, weil eine ultraschnelle Verschlusszeit nötig war, um die Möwe einzufangen.

Manueller Modus – M

Der Modus der gerne auch als der «Profi-Modus» bezeichnet wird. Ich persönlich finde das die falsche Einstellung, da es meiner Meinung nach zu schnell dazu verleitet, alles unnötig manuell machen zu wollen. Schlussendlich geht es hier in dem Modus nur darum, dass ihr alle Einstellungen selbst vornehmt. Die Kamera bietet euch in den meisten Fälle einen Anhaltspunkt in Form der Belichtungsmessung, ob eure Einstellungen das Motiv korrekt Belichten werden. Doch auch dies ist erstmal als Richtwert zu sehen.

Ich denke es ist klar, dass dieser Modus am meisten von euch abverlangt. Hier reicht es, die Kamera nur etwas in eine andere Richtung zu halten, zum Beispiel von der Sonne in den Schatten, und ihr liegt mit euren Einstellungen meilenweit daneben und müsst wieder alles einstellen.

Welchen Kameramodus soll ich nun als Anfänger wählen?

Leider einer der Fragen, die nicht pauschal beantwortet werden können. Jede Situation ist anders, und auch jeder Fotograf geht hier anders vor. Ich persönlich bin zum Beginn auf die «Profi-Modus»-Falle reingefallen. Da habe ich versucht, wann immer möglich alles manuell einzustellen, schliesslich wollte ich ja weg vom Knipsen. Das Ergebnis war, dass ich mehr am herumschrauben als am Fotografieren war und schlussendlich trotzdem haufenweise falsch belichtete Bilder hatte. Gerade in Alltagssituationen mit wechselnden Lichtverhältnissen brachte mich das zum Verzweifeln.

Heute nutze ich fast ausschliesslich, je nach Situation, die Zeitautomatik und den manuellen Modus. Letzterer ist bei konzentrierter Landschaftsfotografie mit Zeit zur Bildgestaltung meine erste Wahl.

Wenns etwas schneller zu und her gehen muss und ich mit wechselnden Bedingungen zu kämpfen habe, wähle ich die Zeitautomatik. So kann ich wunderbar über die Blende mit der Tiefenschärfe spielen und die Bildwirkung so beinflussen, wie ich das möchte. Werden die berechneten Verschlusszeiten zu lang, regle ich entsprechend mit einer höheren ISO-Empfindlichkeit nach, damit die Zeiten wieder in den brauchbaren Bereich korrigiert werden.

Folgend eine Tabelle die zeigt, in welchen Situationen ich welchen Kameramodus verwende:

Situation Modus Begründung
Ruhige Kinder Zeitautomatik Sind Kinder etwas ruhiger, kann häufig die Bildgestaltung etwas bewusster vorgenommen werden. Ein Bild mit verschwommenem Hintergrund sieht einfach gut aus! Gerade am Anfang bei der Babyfotografie sind die kleinen häufig noch nicht so flink unterwegs.
Bewegende Kinder Blendenautomatik Bei der Kinder und Babyfotografie müssen schnelle Verschlusszeiten her, sobald diese etwas mobiler werden. Hier hilft es, diese manuell auf mind 1/250 oder 1/500 zu stellen (evtl. müsst ihr mit höherer ISO arbeiten).
Tiere Blendenautomatik (evtl. Zeitautomatik) Tiere sind schnell, ihr braucht daher schnelle Verschlusszeiten.
Bei ruhenden Tieren kann jedoch die Zeitautomatik besser sein.
Studio Manuell Im Studio synchronisiert ihr die Belichtung mit euren Blitzen. Deshalb immer manuell.
Landschaften Manuell

(Zeitautomatik)

Wenn genügend Zeit vorhanden ist, kann manuell alles so eingestellt werden, damit die entsprechende Bildwirkung erzielt wird.

Bleibt wenig Zeit, kann auch die Blendenautomatik sehr gute Ergebnisse bringen.

Portrait Zeitautomatik Das Spiel mit der Tiefenschärfe lässt sich am besten über die Blende regeln. Verschlusszeiten sind bis zu einem gewissen Grad sekundär (allenfalls ISO erhöhen)
Produktfotografie Manuell Mit Blitzlicht oder Dauerlicht wollen wir wieder reproduzierbare Ergebnisse. Deshalb manuell.

Fazit

Es gibt keinen perfekten Kameramodus. Die Kamerainternen Berechnungen sind bei modernen Kameras allerdings so gut, dass diese hervorragend eingesetzt werden können. Für Anfänger die sich vom Automatikmodus entfernen wollen, eignet sich die Zeitautomatik je nach Einsatzgebiet sehr gut zum Sammeln von ersten Erfahrungen. Welchen Kameramodus setzt du am liebsten ein und warum? Und welche Situationen sollte ich auf der Liste noch ergänzen?

Meine Top 3 Landschaftsfotografie Youtube Kanäle

Landschaftsfotografie Tutorials gibts auf YouTube wie Sand am Meer. In diesem Artikel möchte ich euch meine Top 3 dazu vorstellen.

Neues Wissen aneignen und einfach mal was neues zu lernen gehört zu einer meinen liebsten Freizeitbeschäftigungen. Schliesslich hat auch das mich zur Fotografie gebracht und dafür gesorgt, dass ich in kurzer Zeit in der Lage war, brauchbare Bilder zu schiessen.

Eine der wichtigsten Wissensquellen für mich ist Youtube. Wenn ich Abends nach dem Büro nach Hause fahre im Zug schaff ich es meistens nicht mehr, lange Fachartikel zu lesen. Ein paar Videos auf dem Handy anschauen geht jedoch fast immer.

Gerne stelle ich euch heute drei meiner liebsten Kanäle vor, wenn es um Landschaftsfotografie geht. Der Artikel entsteht im September 2017, ich gehe davon aus, dass ich irgendwann weitere Kanäle empfehlen werde.

Da ich persönlich kein Fan der «die Top 10» oder «die Top 20» bin, beschränke ich mich auf meine Top 3. Ich finde jeder einzelne dieser Kanäle ist so unglaublich gut und nützlich, dass sie ihren Platz nicht mit 9 oder mehr anderen Teilen sollten in diesem Artikel. Schlussendlich gehen bei einer grossen Anzahl an Empfehlungen sowieso immer ein paar unter.

Die Reihenfolge sagt nichts über meine persönlichen Präferenzen aus ;).

Benjamin Jaworskyj

Link zu seinem Kanal
Wohl einer der bekanntesten Foto Youtuber im deutschsprachigen Raum. Durch seine junge und sehr lebendige Art gefällt er sicher nicht jedem, doch er scheint die Massen zu überzeugen. Er verfügt auf Youtube aktuell über mehr als 250’000 Abonennten, und das obwohl er in letzter Zeit bewusst nicht mehr so viele Videos publiziert hat. Für Aufsehen erregt hat er sicherlich mit seiner Reihe von Reiseberichten rund um die Welt (oben verlinkt das Beispiel Australien).

Benjamin stellt in seinen Videos allerlei Tipps und Tricks rund um die Fotografie vor. Zum Beginn des Kanals finden sich viele Allgemeine Tipps. Bei den neueren Videos hat er sich doch fast komplett der Landschaftsfotografie verschrieben. Er ist auch Autor diverser Bücher und bietet selbst Videotrainings an.

Gerade in der absoluten Anfangszeit war Bens Kanal für mich eine grosse Hilfe, mehr aus meinen Fotos raus zu holen. Ich konnte hier sehr viel lernen. Wenn man ihm etwas vorwerfen müsste, wäre es meiner Ansicht nach der Umstand, dass er doch häufig relativ oberflächlich bleibt. Wer sich also schon länger mit der Materie befasst wird irgendwann nur noch wenig Bahnbrechendes neues lernen.

Stephan Wiesner

Link zu seinem Kanal
Stephans Blog
Stephan ist ein Fotograf mit deutscher Abstammung der nun aktuell ganz in meiner Nähe in Bern tätig ist.  Er ist spezialisiert auf Sportlerfotos und Landschaftsfotografie.

Er hat, im Vergleich zu Benjamin Jaworskyj, einen ganz anderen Stil der sich auf seinem Blog und seinen Videos von vielen anderen Youtube Fotografen unterscheidet. Ich persönlich sehe gerade in seiner Herkunft aus der IT einen Faktor dafür. Mir kommt das sehr entgegen, da ich auch in dieser Branche tätig bin und daher meine Gedankengänge teilweise ähnlich verlaufen. Stephan ist wirkt in all seinen Videos ruhig und besonnen und teilt seine Tipps und Gedanken stets in einer professionellen durchdachten Art und Weise vor. Wer einen hippeligen und extrem extrovertierten Selbstdarsteller sucht, ist auf diesem Kanal sicher falsch.

Stephan ist äusserst ambitioniert und stellt in seinen Videos sehr viele Informationen in einer tollen Qualität zur Verfügung. Seine Videos behandeln häufig nur ein kleines Thema in der Fotografie, gehen dafür aber in den meisten Fällen auch auf Details ein. So kann man auch noch etwas mitnehmen, wenn man schon die meisten Videos und Artikel der anderen Fotopersönlichkeiten gesehen hat. In seinen Videos behandelt er nicht nur Themen rund um die Landschaftsfotografie, auch Fotobearbeitung, Equipment und Studiofotografie findet immer wieder Platz.

Erwähnenswert sind bei Stephan auch die Artikel und Videos rund ums Leben als (früher Teilzeit) Fotograf und was das alles mit sich bringt. Er bringt auch hier seine persönliche Note in Form von Gedanken und Überlegungen die er sich macht mit ein. Auf diese Weise kann man schon fast eine persönliche Beziehung aufbauen, ohne Stephan überhaupt jemals begegnet zu sein.

Für mich persönlich sind Stephans Lektionen mit eine der wichtigsten Wissensquellen um mich weiter zu entwickeln. Seine sachlichen Videos quer durch alle Bereiche der Fotografie haben mir persönlich sehr viel gebracht.

Professional Photography Tips (Joshua Cripps) – (Englisch)

Link zu seinem Kanal
Für heute der einzige englischsprachige Kanal den ich euch vorstellen möchte. Joshua Cripps betreibt «Professional Photography Tips» als Lernkanal für die Landschaftsfotografie und hat etwas über 230’000 Abonennten.

Ich gebe zu, ich bin ein riesen Fan von Joshua. Seine Tipps bezüglich Landschaftsfotografie sind für mich der Hammer. Er hat eine, in meinen Augen, witzige Art und Weise, wie er seine Tipps weiter gibt.

Auf seinem Kanal findet man sowohl Videos zur Fotobearbeitung in Lightroom und Photoshop wie auch zur Aufnahme der Fotos selbst. Da er sich zu 100% der Landschaftsfotografie verschrieben hat ist dieser Kanal eine hervorragende Anlaufstelle, wenn man sein Wissen in diesem Bereich vertiefen möchte. Er deckt einen sehr grossen Teil der Fragen mit einem sehr guten Detailierungsgrad ab, hier kann (fast) jeder noch etwas lernen!

 

Das waren meine Top 3 Landschaftsfotografie Kanäle zum heutigen Zeitpunkt. Gibt es weitere Kanäle, die man als interessierter in diesem Themengebiet der Fotografie unbedingt abonnieren sollte?

6 Tipps fürs Fotografieren von Babys und Kleinkindern

Seit mein Sohn auf der Welt ist, ist er mein häufigstes Fotomotiv. Die ersten Versuche zu Beginn waren noch bevor ich den Entschluss fasste, jetzt fotografieren zu lernen. Entsprechend schlecht sind die Bilder. Der Bildaufbau passt nicht und ausserdem sind sie auch technisch schlecht (vollkommen verrauscht). Nach nicht ganz zwei Jahren kommen doch mittlerweile schon ganz ansprechende Bilder auf die Speicherkarte. Kinder zu fotografieren ist keine Raketenwissenschaft, in meinen Augen reichen ein paar wenige Tipps aus, um bereits deutlich bessere Ergebnisse zu erzielen.

Kurzer Einschub:
An dieser Stelle sei erwähnt, dass ich im Bezug auf Kinderbilder leider grösstenteils auf Stockfotos zurückgreifen werde und nicht die Fotos meines Sohnes publizieren werde. Da ich hier unter meinem richtigen Namen zu finden bin, ist leicht die Identität meines Jungen zurück zu verfolgen. Da das Internet niemals vergisst haben wir uns entschlossen, keine Fotos online zu posten, bei denen unser Kind zu erkennen ist. Ich hoffe hier auf euer Verständnis.

Die Tipps in dieser Reihe werde ich in regelmässigen Abständen erweitern. Einerseits lerne ich sicher wieder mehr dazu, andererseits dürfte gerade am Anfang jedes Kinderalter andere Gestaltungsmöglichkeiten mit sich bringen. Jetzt mit knapp zwei Jahren ist schon vieles soooo fest anders, als es noch am Anfang war (da war er noch etwas weniger mobil, das ist gar nicht mal so schlecht 😊 ).

Die folgenden Tipps beziehen sich auf Fotos im Alltag. Ohne Studio und ohne gestellte Situationen. Das Kind soll möglichst natürlich und in seinem Element abgebildet werden.

Stockfoto CC0 Lizenz von Pixabay

Lichtstarke Objektive

Spätestens dann, wenn sich das Kind frei bewegen kann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bei jedem Blitz das Kind auf euch aufmerksam wird und sich unnatürlich anfängt zu verhalten oder sich sogar zu euch begibt um die Fotos auf dem Bildschirm anzuschauen (war das früher mit den Analogen Kameras weniger schlimm? 😉 ).

Mit einem Lichtstarken Objektiv könnt ihr auch bei weniger Licht noch Fotos schiessen ohne einen Blitz einzusetzen. Mit ein wenig erhöhter ISO geht dies sogar auch dann, wenn man nicht über eine besonders grosse Fensterfront verfügt oder wenn draussen mal schlechtes Wetter ist.

Meine Fotos wurden bedeutend besser, sobald ich ein Objektiv mit Blende 2.8 gekauft hatte. 1.8 (oder gar noch tiefer) ist natürlich noch besser. Am liebsten nutze ich hier mein Tamron 17-50 f2.8. Dieses (oder ähnliche Modelle anderer Hersteller) sind eigentlich recht preiswert zu bekommen und bieten schon deutliche Lichtvorteile gegenüber den meisten Kit-Linsen.

Brennweite

Grundsätzlich wird ja als Normalobjektiv immer etwas um die 50mm am Vollformat empfohlen (entsprechend ca. 35mm an APSC). Für Portraits und ähnliches ist dies tatsächlich eine gute Wahl. Bei Kindern hat dies aber einen riesen Nachteil. Ihr seid zu nah dran! In Innenräumen lässt es sich je nach grösse der Räume teilweise gar nicht anders lösen. Aber auch da bin ich der Meinung, sollte man die Brennweite soweit es geht ausreizen. Spätestens dann, wenn ihr auf einem Spielplatz unterwegs seid, seid ihr mit einer Normalbrennweite einfach zu nah am Kind. Die Folge ist, dass die meisten Kinder auch hier ihr natürliches Verhalten unterbrechen und entweder posieren oder gar nicht mehr zu fotografieren sind.

Ich nutze zu Hause im Wohnzimmer in den meisten Fällen 50mm am APSC. Das ist mir zwar eigentlich aus den oben genannten Gründen zu kurz, geht aber in meiner Wohnung fast nicht anders, wenn ich den Kleinen noch ganz draufbekommen möchte. Draussen auf dem Spielplatz oder am See nutze ich jedoch meistens 90mm (ca. 135 am FX). Da kann ich noch bedeutend weiter weg. Trotzdem überlege ich mir, ein 70mm-200mm zuzulegen. Das würde mir nochmals mehr Distanz ermöglichen.

Verschlusszeit

Unterschätze niemals die Geschwindigkeit eines Kindes, das musste ich schmerzhaft selbst lernen. Mit Verschlusszeiten um die 1/100 Sekunden die bei Portraits absolut in Ordnung sind, kommt ihr bei einem sich bewegenden Kind schon an die Grenze. Das Resultat sind unscharfe Bilder. Ich empfehle hier etwa 1/200 Sekunden zu nutzen. In den meisten Fälle reicht dies aus, wenn ihr einen zukünftigen 100 Meter Sprinter zu Hause habt müsst ihr vielleicht sogar noch weiter runter.

Bildausschnitt

Experimentiert mit unterschiedlichen Bildausschnitten. Ein Kind mitten in seiner Umgebung ist toll und zeigt wie das Kind gelebt hat. Aber manchmal ist einfach zu viel drum herum, deshalb ist es durchaus empfehlenswert, Kinder fast Bildausfüllend abzubilden. Ihr habt einfach mehr Kind, mehr Ausdruck und mehr Emotionen im Wind.

Je kleiner das Kind, desto weiter ins Detail kann man gehen. Fotos von Händen, Füssen oder Gesichtern eines Neugeborenen sagen so viel mehr aus, als ein kleines Kind verloren in einem riesigen Stubenwagen oder Kinderbett.

Stockfoto CC0 Lizenz von Pixabay

Viel und häufig fotografieren

Dieser Punkt bringt euch gleich drei Vorteile:

  • Das Kind gewöhnt sich mit der Zeit daran, dass die Kamera hervorgeholt wird. Die «Wow» Effekte des Kindes für das elektronische Spielzeug wird recht bald abnehmen und euch bessere Fotos ermöglichen.
  • Die Chance auf ein gutes Foto erhöhen sich durch die Anzahl an Bilder automatisch. Speicherplatz kostet heute ja kaum noch was. Und am PC aussortieren kann man ja immer noch.
  • Ihr werdet immer besser! Durch das viele üben werdet ihr immer routinierter im Umgang mit eurem Gerät und mit der Situation mit den Kindern. Das wird sich je länger je stärker auszahlen und euch zu besseren Ergebnissen helfen.

Blickwinkel oder auch: Auf den Boden!

Das ist in meinen Augen der wichtigste Tipp. Fotografiert Kinder wenn möglich auf Augenhöhe (oder noch von weiter unten). Die Bildwirkung ist eine komplett andere. Das Kind wirkt aus dieser Perspektive bedeutend kompetenter und ihr seid gefühlt beim Bild «am Kind». Das Ganze stellt kein Vergleich zu den «von oben herab weils grad so praktisch ist» Bilder da. Versucht das, ihr werdet begeistert sein!

Warnung: Das Ganze führt aus eigener Erfahrung dazu, dass ihr auf dem Spielplatz schnell mit schrägen Blicken rechnen müsst. Die meisten Leute die sich dort rum treiben verstehen es nicht so ganz, weshalb man sich mit der Kamera im Dreck wälzt. 😊

Stockfoto CC0 Lizenz von Pixabay

Das waren erst einmal meine sechs wichtigsten Tipps für die Kinderfotografie.

Habt ihr noch weitere wichtige Tipps für die Fotografie von Kindern bis zwei Jahren?

Winterliche Abendstimmung am Thunersee

Wie angekündigt werde ich euch immer wieder ein paar meiner neuesten Bilder zeigen. Damit dies für euch einen Mehrwert mitbringt, werde ich immer auch die genutzten Kameraeinstellungen und das Equipment erläutern und ein paar Worte zur Entstehung dazu sagen. In erster Linie soll es euch aber aufzeigen, wie es bei mir fototechnisch gerade so läuft und natürlich auch, wie ich mich entwickle und ob ich Fortschritte mache. Schliesslich ist es ja mein Ziel, immer bessere Bilder zu schiessen!

Als erstes in dieser Reihe zeige ich euch ein paar Bilder, die an einem kitschigen Sonnenuntergang im letzten Februar entstanden sind. Eigentlich wollte ich an dem Abend einen Kiesstrand mit möglichst farbigen Wolken einfangen. Leider (oder zum Glück) war mein Fotospot am unteren Ende des Thunersees durch einen Trupp Schwäne belegt, so dass ich mich etwas waghalsig einer Mauer entlang hangelnd einen neuen Standort für mein Stativ zu suchen.

Nikon D7200 mit Tamron 17-50 f2.8: ISO 100, 17mm, f16, 4 S.

Der Platz war erstklassig. Die Steine im Vordergrund bieten einen wundervollen Vordergrund und die Lichtstimmung war fantastisch. Das wahre Potential der Bilder erkannte ich jedoch erst zu Hause am Rechner. Als ich die Bilder auf dem Display kontrollierte, wirkte alles noch recht unscheinbar. Zu Hause zeigte sich aber mal wieder, das Fotos in RAW einen deutlichen Vorteil gegenüber JPG haben. Ich konnte die Sonnenuntergangsstimmung mit den pinken Wolken richtig schön hervorheben.

Ich fotografierte übrigends im A (Zeitautomatik) Kameramodus, so musste ich nicht dauernd mit der Belichtungszeit herumexperimentieren.

Nikon D7200 mit Tamron 17-50 f2.8: ISO 100, 31mm, f16, 3 S.

Der Abend war jedoch noch nicht gelaufen mit dieser Lichtstimmung. Später als sich die blaue Stunde anmeldete, wurde alles rund um den See erneut in fantastisches Licht gehüllt. Dieses Mal jedoch komplett anders und trotzdem faszinierend.

Nikon D7200 mit Tamron 17-50 f2.8: ISO 100, 50mm, F16, 13 S.

Für mich persönlich war dies eines der bisherigen Highlights im 2017 und einer der Momente weshalb man auch in der grössten Kälte loszieht, um ein atemberaubendes Bild einzufangen.