Blumen fotografieren im Wohnzimmer

Wie so manchem Mann der mit einer Frau zusammen wohnt, stehe diverse interessantere (und teilweise auch weniger interessante 😉 ) Pflanzen in der Wohnung herum. Als meine Frau mich eines Tages auf die vielen neuen Blüten ihrer Orchideen aufmerksam machte, war mir meine Mission sofort klar. Ich wollte anständige Fotos dieser Wohnzimmerpflanzen schiessen, das erst kürzlich neu besorgte Tamron 90mm Macro war dazu genau das richtige!

Ausrüstung

Zu dieser Zeit verfügte, und nutzte, ich folgende Ausrüstung:

  • Nikon D5100
  • Stativ
  • Tamron 90mm f2.8 Macro Objektiv
  • Nikon SB-700 Blitz
  • Fernauslöser für Blitz (Yongnuo RF 605c, Kaufempfehlung!)
  • Lampenstativ
  • Durchlichtschirm

Das war alles, was mir für dieses Vorhaben zur Verfügung stand.

Nikon 5100, Tamron 90mm f2.8 Macro, ISO 100, F11, 1/50s

Der Aufbau

Ich packte mir also eine der Blumen und stellte diese auf unseren Wohnzimmertisch. Da sich unser Wohnzimmer am Tag nur schlecht bis gar nicht abdunkeln lässt, war im Zimmer zu jederzeit Tageslicht.

Den Blitz koppelte ich mit dem Funkauslöser und packte diesen mit einem Durchlichtschirm (ca. 80 cm im Durchmesser) etwas erhöht und seitlich neben die Pflanze. Ich versuchte jedoch, den Schirm so nah an die Blume heran zu stellen wie möglich, ohne dass der Schirm auf dem Bild erscheint. Dadurch wird das Licht noch einmal weicher. Die Kamera wird anschliessend so auf dem Stativ positioniert, dass der Bildausschnitt passt. Da mein Objektiv eine Festbrennweite ist, muss ich den Bildausschnitt mit der Kamera verändern. Solltet ihr ein Zoomobjektiv Makro haben, spart ihr euch hier jeweils das herumschieben des Stativs.

Anschliessend muss noch fokussiert werden. Ich mache das immer im Live-view indem ich mit der Lupe möglichst weit auf den zu fokussierenden Punkt zoome. Dort kann mit der manuellen Fokussierung genau der gewünschte Punkt scharfgestellt werden. Hier gibt es zu beachten, dass die Schärfetiefe bei den geringen Distanzen je nach Einsteillungen und Brennweite äusserst gering ist, es kann also sein, dass nicht die ganze Blüte zu 100% scharf abgebildet werden kann.

Einstellungen

Die Einstellungen an der Kamera wählte ich so, dass ich nur das Blitzlicht auf dem Foto habe. Dazu wählt man eine Kameraeinstellung, welche ohne Blitz ein rein schwarzes Bild ergeben würde. Um garantiert kein Rauschen zu haben entschied ich mich für ISO 100. Dazu kam Blende 11. Evtl. wäre eine Blende weiter abgeblendet nachträglich die bessere Variante, da so noch etwas mehr Schärfentiefe gewonnen werden könnte. Die Belichtungszeit ist aufgrund des dunklen Zimmer und des Blitzes eigentlich sekundär. Weshalb ich hier 1/50 genommen habe, ist mir nun etwas schleierhaft. 1/200 hätte es genau so getant. Aber man lernt ja dazu 🙂

Beim Auslösen der Kamera bekam ich so ein komplett schwarzes Bild. Nachdem nun der Blitz dazugeschaltet wurde, musste dieser noch reguliert werden. Ich machte ein paar Versuche nach dem Motto Try & Error und fand irgendwann die passende Einstellung. Dabei muss man besonders darauf achten, dass keine hellen Stellen ausbrennen oder Tiefen (abgesehen vielleicht vom Hintergrund) absaufen und damit im reinen Schwarz enden.

Leider sorgt ein Durchlichtschirm für sehr viel Streulicht im ganzen Zimmer. Das führt dazu, dass unter Umständen der Hintergrund auf dem Foto nicht rein schwarz wird. Bei mir spiegelte sich das Fenster hinter der Blüte. Abhilfe schafft hier ein dunkler Hintergrund. Idealerweise nimmt man dazu die schwarze Seite eines 5 oder 7 in 1 Reflektor. Da ich beim ersten Versuch noch über kein solches Gerät verfügte (aber gleich daraufhin bestellte) stellte ich einen Stuhl auf den Tisch und hängte einen schwarzen Kapuzenpullover darüber, das reicht unter Umständen auch.

Nikon 5100, Tamron 90mm f2.8 Macro, ISO 100, F11, 1/50s

Jetzt sind die Ergebnisse schon ganz akzeptabel. Für mich gibt es dabei aber noch einen Knallertrick für den «wow» Effekt bei den Personen, die eure Bilder bestaunen dürfen:

Wassertropfen!

Mir waren die Bilder von den Blüten alleine irgendwie zu stumpf und zu wenig interessant. Spritzt ihr nun noch etwas Wasser auf die Blüte (zum Beispiel mit einer feinen Spritze), so perlen überall die Tropfen ab und bleiben an manchen Stellen auf den Blättern liegen. Dabei sollte nicht zu viel Wasser verwendet werden, da sich die Blüte ansonsten Richtung Boden biegt und euer Bildausschnitt dahin ist.

Wenn nun ein Bild mit Blitz aufgenommen wird, glänzen die Tropfen herrlich im Blitzlicht und sorgen meiner Meinung nach für einen wunderbaren Effekt. Manch einem mag das etwas zu viel sein, ich steh aber auf das bisschen «extra».

So habe ich dann die Bilder der verschiedenen Blüten gemacht und war eigentlich ganz zufrieden. Später in Lightroom und Photoshop habe ich noch die Kontraste etwas verstärkt.

Noch besser?

Was ich das nächste Mal definitiv versuchen werde ist ein Fokus-Stacking oder zumindest noch weiter abblenden. Bei manchen Motiven stört es mich, dass die Blüte nicht durchgehend scharf ist. Wenn ich das versucht habe, werde ich euch selbstverständlich wieder berichten, ob ich dabei Erfolgreich war.

Nikon 5100, Tamron 90mm f2.8 Macro, ISO 100, F11, 1/50s