Verschlusszeit erklärt – Tipps zur Einstellung an der Kamera

moewe_im_flug

Bei der Verschlusszeit (auch Belichtungszeit genannt) handelt es sich um einen der Faktoren, welche für ein korrekt belichtetes Bild zuständig sind. Jedoch lassen sich darüber hinaus die unterschiedlichen Belichtungszeiten wunderbar zum Erreichen von verschiedenen Bildstilen verwenden.

Nachfolgend die drei wichtigsten Punkte, für welche die Verschlusszeit entscheidend ist. Wer gerne noch mehr Infos dazu möchte, findet in den weiteren Absätzen dieses Artikels noch mehr Details.

Die drei wichtigsten Auswirkungen der Verschlusszeit:

Scharfe Bilder / Verwacklungen vermeiden
Durch die Wahl der richtigen Belichtungszeit lässt es sich verhindern, dass Bilder unscharf werden, weil wir die Kamera zu wenig ruhig halten. Die dabei einzusetzende Verschlusszeit hängt stark von der Brennweite und einem allfällig vorhandenen Bildstabilisator ab.

Lichtmenge für die Belichtung
Durch die Zeitdauer der Belichtung kann gesteuert werden, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Bei 1/100 Sekunde fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor wie bei 1/200 Sekunde. Zusammen mit der Einstellung der Blende kann so die korrekte Belichtung des Motivs erreicht werden.

Bildgestaltung durch Kurz- und Langzeitbelichtung
Durch unterschiedliche Belichtungszeiten kann auf unterschiedliche Motive und Bildsituationen reagiert werden. Sind aufgrund schnellen Bewegungen kurze Belichtungszeiten nötig, so können bei wenig Licht oder für gewünschte «weichmacher» Effekte Langzeitbelichtungen die richtige Wahl sein.

Verwackeln verhindern

Ein Mensch kann eine Kamera nie ganz ruhig halten, egal wie viel Mühe er sich gibt. Das führt dazu, dass bei zu langen Belichtungszeiten die Bilder nicht mehr scharf, sondern verwackelt werden. Die Zeit die nötig ist um scharfe Bilder zu bekommen hängt von der Brennweite ab. Eine erste Orientierung gibt dazu eine alte Foto-Regel:

Belichtungszeit darf maximal der Brennweite entsprechen.
Beispiel: Bei Brennweite 50mm sollte die Verschlusszeit nicht länger als 1/50 sein. Bei 200mm entsprechend mindestens 1/200.

Wichtig: Die Regel bemisst sich auf die Brennweite im Vollformat. Wer also ein anderes Sensorformat verwendet muss den Cropfaktor entsprechend dazu rechnen. Bei einer APSC Nikon Kamera ergäbe die oben genannten Beispiele also:

Brennweite 50mm = Kürzeste Verschlusszeit 1/75 (50mm Brennweite mit Faktor 1.5 entsprechen 75mm am Vollformat).
Brennweite 200mm = Kürzeste Verschlusszeit 1/200 (200mm Brennweite entsprechen 300mm a Vollformat).

Des weiteren gilt es zu beachten, dass diese Regel bloss ein grober Richtwert darstellt. Es gibt Leute, die scheinen die Ruhe selbst zu sein und können die Kamera auch länger ruhig halten. Aber auch das Gegenteil ist der Fall, bei manchen reichen diese Mindestwerte nicht und sie müssen noch höher gehen. Hier solltest du selbst für dich herausfinden, was bei dir nötig ist. Wenn du mit oben genannten Richtwerten beginnst, bist du jedoch sicherlich schon recht gut beraten. Auf jedenfall lohnt es sich, zwischendurch mal kurz aufs Display zu schauen und in der 1:1 Ansicht zu prüfen, ob dein Bild scharf ist. Wenn nicht, kannst du die Kameraeinstellungen entsprechend korrigieren.

Wird mit einem Stativ gearbeitet sind all diese Beschränkungen überflüssig. Da wir dort nicht mehr aus der Hand fotografieren, werden entsprechend auch keine Verwackelungen von uns verursacht.

Einfluss des Bildstabilisators (VC/VR etc.)

Viele moderne Objektive (und teilweise mittlerweile sogar Kameras) verfügen über einen Bildstabilisator. Dieser macht genau das, was der Name sagt. Er stabilisiert die Aufnahme während ihr euch bewegt.

Dies führt dazu, dass (falls es das Motiv erlaubt!) längere Verschlusszeiten möglich sind. Je nach Objektiv können sind das ca. 1-3 Blendenstufe.

Beispiel: Bildstabilisator mit Hilfe um 2 Blendenstufen

Brennweite 100mm an Vollformat erfordert ohne Stabilisator 1/100 Sekunde Verschlusszeit.
Mit Stabilisator können wir zwei Blenden länger werden. Das heisst es wäre nun 1/25 Sekunde möglich.

Dabei ist anzumerken, dass diese Werte von den Herstellern sehr gerne äusserst optimistisch angegeben werden. Lerne deine Objektive kennen und du wirst auch hier merken, was du deinem Objektiv (oder besser dessen Stabilisator) zutrauen kannst. Das Bild hier unten ist eine Makroaufnahme und wurde aus der Hand mit Werten unter der genannten Regel geschossen. Bildstabilisator sei dank!

hagebute_beere_herbst_makro
90mm, f8, 1/80, ISO 100

Ich persönlich schätze Objektive mit Bildstabilisator sehr. In Alltagssituationen ohne Blitzlicht helfen sie immer mal wieder, trotzdem noch Scharfe Bilder zu bekommen, auch wenn es sonst gar nicht mehr möglich wäre. Bzw. ohne Stabilisator müsste man bei der ISO-Empfindlichkeit in Bereiche gehen, die auch nicht mehr schön sind. Deshalb ist bei mir der Bildstabilisator, ausser wenn ich mit Stativ arbeite, fast ausnahmslos angeschaltet, sofern mein Objektiv über einen solchen verfügt.

Die richtige Belichtungszeit für eine korrekte Belichtung

Die Belichtungszeit ist massgebend, damit du ein korrekt belichtetes Bild erhältst.Wie lange du belichten musst, ist selbstverständlich von den anderen Einstellungen wie der Blende und der ISO-Empfindlichkeit abhängig. Damit du nicht alles von Hand ausrechnen oder durchprobieren musst, kann dir die Kamera mit ihren internen Berechnungen je nach gewähltem Kameramodus dabei helfen.

Treffen wir als Beispiel mal ein paar Annahmen.

Bildgestaltung mit der richtigen Belichtungszeit

Nebst den oben genannten Minimalwerten die es zu beachten gibt, dient die Verschlusszeit jedoch auch als äusserst wichtiges (und wunderbares!) Mittel um einem Bild die gewünschte Wirkung zu geben. Während bei ruhigen Motiven (stillstehende Person zum Beispiel) mit den oben genannten Minimalwerten gut gearbeitet werden kann (sofern die Belichtung stimmt), ist es in vielen Situationen nötig auf Kurz- oder Langzeitbelichtung zu wechseln.

winter_sturm_thunersee
50mm, f8, 1/250, ISO 250

Für dieses Bild habe zuerst 1/500 Sekunde bei Blende 8 und Iso 500 genutzt. Die Einstellung war noch so drin, da ich vorher noch sich bewegende Vögel im Bild hatte. Nun wollte ich jedoch noch etwas bessere Bildqualität (sprich ISO Reduzieren) ohne etwas an der Belichtung zu verändern. Also ging ich mir der ISO auf 250 runter und verlängerte die Verschlusszeit entsprechend um das doppelte auf 1/250. So habe ich die ISO-Empfindlichkeit halbiert, und dafür gleichzeitig die dafür benötigte Zeit verlängert. So komme ich wieder auf dasselbe Ergebnis, habe aber weniger rauschen (wenn auch im geringen Rahmen natürlich) im Bild.

Kurze Verschlusszeiten

Wollt ihr ein Motiv scharf abbilden, welches sich schnell bewegt (Sportler, Fahrzeuge, Tiere, Wasser etc.) sind kurze bis sehr kurze Verschlusszeiten zwingend.

moewe_im_flug
300mm, f11, 1/1600, ISO 640

Bei diesem Bild einer fliegenden Möwe wählte ich eine Verschlusszeit von 1/1600 Sekunde und konnte so den sich schnell bewegenden Vogel durchgehend Scharf abbilden. Bei einer kürzeren Verschlusszeit wäre dies nicht möglich gewesen.

spritzendes_wasser_thunersee_sonnenuntergang
24mm, f11, 1/400, ISO 100

Bei diesem (eigentlich ganz guten) Bild habe ich leider zu wenig auf die Verschlusszeit geachtet. Wenn man genau hinsieht erkennt man, dass die Wasserspritzer (rechts im Bild) leicht unscharf sind aufgrund der Bewegung. Bemerkenswert ist dabei, dass ich hier mit 1/400 Sekunde schon in einem sehr schnellen Bereich unterwegs gewesen bin. Hier wäre ein kürzerer Wert die richtige Wahl gewesen. Dieser Fehler ärgert mich noch immer so sehr, dass ich jetzt immer ganz genau darauf achte, was für Werte ich wähle. Eine solche Situation mit diesem Sonnenuntergang kombiniert mit diesen starken Wellen haben wir hier am See nur selten.

Es muss aber nicht immer so extrem wie in den oben abgebildeten Motiven sein. Schon eine sich bewegende Person wirst du mit 1/50 Sekunde immer unscharf abgebildet bekommen. Gerade beim Fotografieren von Kindern muss dies beachtet werden (die kleinen hören leider nur sehr schlecht auf «Halt mal still»).

Langzeitbelichtungen

Lange Belichtungszeiten sind aktuell unglaublich in Mode. Du kennst sicher die Bilder der samtig erscheinenden Wasserfälle. Auf Instagram und Co finden sich solche Bilder zu tausenden. Und nun ja, ich gebe zu ich finde das eigentlich auch sehr ansprechend!

Wird bei Wasser mit einer langen Belichtungszeit (mind. 1-2 Sekunden, je nach Situation mehr) Belichtet, bekommt es diesen extrem weichen Look. Das funktioniert nicht nur bei Wasserfällen, auch Wellen auf einem See können so praktisch komplett zum Verschwinden gebracht werden.

Steine im Blauen Wasser im Sonnenunergang
Nikon D7200 mit Tamron 17-50 f2.8: ISO 100, 50mm, F16, 13 S.

Bei dem Bild waren 13 Sekunde Belichtungszeit angesagt, somit wurde aus dem welligen Wasser beinahe ein Nebel der die Steine zu umhüllen scheint.

Willst du solche Langzeitbelichtungen am Tag durchführen wirst du wohl immer wieder das Problem haben, dass deine Bilder überbelichtet werden aufgrund des vielen Lichts der Sonne. Hier hilft ein entsprechender Graufilter für Abhilfe. Hier ein Blogeintrag von Stephan Wiesner zu den Graufiltern, falls du dazu noch etwas mehr wissen möchtest.

Auch bei der Nachtfotografie sind lange Belichtungszeiten in der Regel nötig, um trotzdem ein korrekt belichtetes Bild zu erhalten. Hast du dabei sich bewegende Lichter im Motiv (typischerweise Verkehr), so ziehen sich diese in die Länge, was auch zu wunderbaren Effekten führen kann.

Willst du in einem Bild die Sterne abbilden, ist in der Regel auch eine Langzeitbelichtung notwendig. Hierzu sei erwähnt, dass du hier bei zu langen Belichtungszeiten «Sternspuren» erhältst. Diese möchtest du vielleicht verhindern. Wie du das machst, wird in diesem Artikel erklärt.

milchstrasse_niesen_thunersee_schweiz
11mm, f2.8, 30 S, ISO 1600

Stativ

Bei all den oben genannten Situationen, bei welchen du mit einer Langzeitbelichtung arbeiten willst, ist es unabdinglich mit einem Stativ zu arbeiten (oder die Kamera irgendwo fest abzustellen). Nur so kann ein scharfes Bild erreicht werden.
Dabei solltest du folgendes beachten:

– Löse die Kamera mit einem Fernauslöser oder mit dem Selbstauslöser aus.
– Wähle (sofern möglich) die Spiegelvorauslösung um kleinste Wackler zu verhindern.
– Schalte den Bildstabilisator aus, dieser kann bei Langzeitbelichtungen zu unscharfen Bildern führen.
– Besorge ein stabiles Stativ das nicht schon beim kleinsten Wind wackelt.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich einen Artikel über die Fotografie mit dem Stativ nachreichen wo ich noch im Detail auf die genannte (und weitere) Punkte eingehen werde.

Belichtungszeit bei der Verwendung von Blitzen

Auf die Belichtungszeit bei der Verwendung von Blitzen möchte ich hier nur ganz kurz eingehen. Es handelt sich dabei selbst um ein so grosses Thema, das hat einen eigenen Artikel verdient.

Bei der Verwendung mit Blitzen bist du in vielen Fällen an die maximale Blitzsynchronzeit deiner Kamera / deiner Blitze gebunden (in der Regel bei 1/200 oder 1/250). Dies ist jedoch kein Problem, da der Blitz selber sehr viel kürzer ist und dafür sorgt, dass das Motiv «eingefroren» wird.

Dieser Effekt lässt sich sehr gut einsetzen, wenn ein schnelles Motiv nur ganz kurz Belichtet werden soll. Beim folgenden Bild wollte ich den Rauch des eben ausgegangenen Streichholzes einfrieren, so dass dieser Scharf abgebildet wird. Da sich dieser recht schnell bewegt, konnte ich diesen trotzdem sehr gut abbilden.

streichholz_rauch_foto
90mm, f13, 1/160, ISO 100

Belichtest du etwas länger und arbeitest trotzdem mit Blitz, kann dies zu äusserst interessanten Bildern führen. Du hast so das Umgebungslicht mit im Bild. Dies kann nützlich sein, wenn du eine Person anblitzen willst, aber im Hintergrund noch die Lichtstimmung des Sonnenuntergangs einfangen möchtest.
Meistens wird bei dieser Technik der Blitz auf den zweiten Verschlussvorhang (am Ende der Belichtung) gewählt. So kannst du auch sehr spannende Effekte bei sich bewegenden Objekten erreichen. Zum Beispiel kannst du so zeigen, dass ein Motiv in Bewegung ist, das Motiv selbst aber trotzdem Scharf abbilden. Hier auch noch ein weiterführender Artikel dazu.

Fazit

– Die Verschlusszeit aus der Hand sollte maximal dem Faktor 1:1 der Brennweite bei Vollformat entsprechen (50mm, maximale Verschlusszeit 1/50 S).
– Bei sich bewegenden Motiven ist eine kurze Verschlusszeit nötig.
Langzeitbelichtungen sind bei wenig Licht oder wenn Wasser weichgezeichnet werden soll angesagt.

Ich persönlich mag das Spiel mit den Verschlusszeiten. Ich versuche in der Praxis immer mal wieder aus, wie sich der Bildlook verändert, wenn ich etwas an der Zeit drehe. Stehst du besonders auf ganz kurze Verschlusszeiten und perfekt eingefroreren Motive oder bist du eher der Langzeitbelichtungs-Typ? Lasse mir doch einen Kommentar dazu da.

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