Welcher Kameramodus als Anfänger?

Moderne Kameras verfügen nicht nur über einen einzigen Kameramodus. Die meisten Kameras in allen möglichen Segmenten haben vor Allem eins gemeinsam, eine unglaubliche Fülle an Einstellmöglichkeiten und Funktionen. Gerade als Anfänger der das erste Mal eine DSLR oder Spiegellose in der Hand hält ist man meistens komplett überfordert. Schlussendlich endet es meistens darin, dass mit dem «grünen Modus», der Automatik, fotografiert wird. Im folgenden Artikel zeige ich euch, wie ich persönlich gelernt habe, die anderen Einstellungen zu verwenden.

Als ich die ersten Jahre zwar eine Spiegelreflexkamera besass, diese aber nur im Urlaub nutzte, waren die Ergebnisse mit allen Modi ausser der Automatik oder Scene mehr oder weniger unbrauchbar. Die Bilder mit der Automatik werden zwar in vielen Fällen ganz brauchbar, aber leider können viele gestalterische Möglichkeiten nicht gezielt eingesetzt werden. Vom Umgang mit schwierigen Situationen mal gar nicht gesprochen.

Bevor wir zur konkreten Empfehlung eines Modus kommen, möchte ich die vier Hauptmodi in wenigen Worten vorstellen, ohne dabei auf unnötig komplizierte technische Details einzugehen. Die Szenen Einstellungen lasse ich hier erstmal aussen vor.

Die Programmautomatik – P

Diese Einstellung geht schon sehr nahe zum Automatikmodus.  Die Kamera wählt hier automatisch die korrekte Verschlusszeit und die Blende die nötig ist, um eine (der Berechnungen der Kamera entsprechende) korrekte Belichtung zu erhalten. Damit gelingen in vielen Fällen schon ganz brauchbare Bilder, der Unterschied zur Automatik ist jedoch nur minimal.

Jedoch ist der grosse Nachteil dabei, dass ich weder mit der Belichtungszeit noch mit der Blende irgendeine Möglichkeit habe, die Bildgestaltung zu beeinflussen. Den einzigen Vorteil des Modus P ist es in meinen Augen, dass ich selbst die zu verwendende ISO-Empfindlichkeit einstellen kann.

Es gibt Kameramodelle, bei welchen in der Programmautomatik sowohl Blende oder Verschlusszeit verstellt werden kann und die Kamera die weiteren Parameter nachzieht. Dies ist jedoch von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich.

Ich muss an dieser Stelle jedoch zugeben, diesen Kameramodus noch nie über längere Zeit genutzt zu haben. Ich sehe für mich hier drin einfach keinen Vorteil.

Die Zeitautomatik – A

Die Zeitautomatik ist der Modus, der vor Allem zum Zug kommt, wenn die Verschlusszeit eher nebensächlich ist. Hier wählt man die gewünschte Blende und den ISO-Wert und die Kamera berechnet die Verschlusszeit so, dass eine optimale Belichtung entsteht.

Diesen Modus bietet sich vorwiegend in Situationen an, bei welchen über die Blende mit der Schärfentiefe gespielt werden möchte. Das hilft zum Beispiel bei Portraits, wenn man das Model mit einer grossen Blende (kleine Zahl!) vom Hintergrund freistellen möchte.
Aber auch bei der Landschaftsfotografie setze ich diesen Modus gerne ein, die Kamera übernimmt dann für mich die Berechnung der Belichtungszeit. Gerade in letzterer Situation muss man häufig noch manuell nachkorrigieren, der Anhaltspunkt ist aber gar nicht mal so schlecht.

vordergrund mit bokeh
35mm, f2.8 / 1/ 200 s. / ISO 320

Bei diesem Bild war die Verschlusszeit sekundär. Deshalb wählte ich die Zeitautomatik, dass ich das Spiel mit der Schärfentiefe mit schönem Bokeh machen konnte.

Die Blendenautomatik – S

Die Blendenautomatik macht genau das Gegenteil der Zeitautomatik. Die Kamera berechnet die nötige Blende, um im Zusammenspiel mit der gewählten Blende ein korrekt belichtetes Bild auszugeben. Wenn ihr also weniger Wert auf das gestalterische Mittel der Tiefenschärfe legt, ihr aber mit sich schnell bewegenden Motiven (Sport/Tiere/Kinder) zu tun habt, so könntet ihr mit der Blendenautomatik glücklich werden. Ihr könnt hier entsprechend eine schnelle Verschlusszeit wählen (z. Bsp. 1/800) und werdet dadurch ein scharfes Bild erhalten.

Selbstverständlich kann die Blendenautomatik auch eingesetzte werden, wenn ihr eine lange Verschlusszeit benötigt, z. Bsp. wenn ihr Wasser samtig erscheinen lassen wollt.

moewe in der Luft Foto
300 mm, f11, 1/1600 S, ISO 640

Hier wählte ich die Blendenautomatik, weil eine ultraschnelle Verschlusszeit nötig war, um die Möwe einzufangen.

Manueller Modus – M

Der Modus der gerne auch als der «Profi-Modus» bezeichnet wird. Ich persönlich finde das die falsche Einstellung, da es meiner Meinung nach zu schnell dazu verleitet, alles unnötig manuell machen zu wollen. Schlussendlich geht es hier in dem Modus nur darum, dass ihr alle Einstellungen selbst vornehmt. Die Kamera bietet euch in den meisten Fälle einen Anhaltspunkt in Form der Belichtungsmessung, ob eure Einstellungen das Motiv korrekt Belichten werden. Doch auch dies ist erstmal als Richtwert zu sehen.

Ich denke es ist klar, dass dieser Modus am meisten von euch abverlangt. Hier reicht es, die Kamera nur etwas in eine andere Richtung zu halten, zum Beispiel von der Sonne in den Schatten, und ihr liegt mit euren Einstellungen meilenweit daneben und müsst wieder alles einstellen.

Welchen Kameramodus soll ich nun als Anfänger wählen?

Leider einer der Fragen, die nicht pauschal beantwortet werden können. Jede Situation ist anders, und auch jeder Fotograf geht hier anders vor. Ich persönlich bin zum Beginn auf die «Profi-Modus»-Falle reingefallen. Da habe ich versucht, wann immer möglich alles manuell einzustellen, schliesslich wollte ich ja weg vom Knipsen. Das Ergebnis war, dass ich mehr am herumschrauben als am Fotografieren war und schlussendlich trotzdem haufenweise falsch belichtete Bilder hatte. Gerade in Alltagssituationen mit wechselnden Lichtverhältnissen brachte mich das zum Verzweifeln.

Heute nutze ich fast ausschliesslich, je nach Situation, die Zeitautomatik und den manuellen Modus. Letzterer ist bei konzentrierter Landschaftsfotografie mit Zeit zur Bildgestaltung meine erste Wahl.

Wenns etwas schneller zu und her gehen muss und ich mit wechselnden Bedingungen zu kämpfen habe, wähle ich die Zeitautomatik. So kann ich wunderbar über die Blende mit der Tiefenschärfe spielen und die Bildwirkung so beinflussen, wie ich das möchte. Werden die berechneten Verschlusszeiten zu lang, regle ich entsprechend mit einer höheren ISO-Empfindlichkeit nach, damit die Zeiten wieder in den brauchbaren Bereich korrigiert werden.

Folgend eine Tabelle die zeigt, in welchen Situationen ich welchen Kameramodus verwende:

Situation Modus Begründung
Ruhige Kinder Zeitautomatik Sind Kinder etwas ruhiger, kann häufig die Bildgestaltung etwas bewusster vorgenommen werden. Ein Bild mit verschwommenem Hintergrund sieht einfach gut aus! Gerade am Anfang bei der Babyfotografie sind die kleinen häufig noch nicht so flink unterwegs.
Bewegende Kinder Blendenautomatik Bei der Kinder und Babyfotografie müssen schnelle Verschlusszeiten her, sobald diese etwas mobiler werden. Hier hilft es, diese manuell auf mind 1/250 oder 1/500 zu stellen (evtl. müsst ihr mit höherer ISO arbeiten).
Tiere Blendenautomatik (evtl. Zeitautomatik) Tiere sind schnell, ihr braucht daher schnelle Verschlusszeiten.
Bei ruhenden Tieren kann jedoch die Zeitautomatik besser sein.
Studio Manuell Im Studio synchronisiert ihr die Belichtung mit euren Blitzen. Deshalb immer manuell.
Landschaften Manuell

(Zeitautomatik)

Wenn genügend Zeit vorhanden ist, kann manuell alles so eingestellt werden, damit die entsprechende Bildwirkung erzielt wird.

Bleibt wenig Zeit, kann auch die Blendenautomatik sehr gute Ergebnisse bringen.

Portrait Zeitautomatik Das Spiel mit der Tiefenschärfe lässt sich am besten über die Blende regeln. Verschlusszeiten sind bis zu einem gewissen Grad sekundär (allenfalls ISO erhöhen)
Produktfotografie Manuell Mit Blitzlicht oder Dauerlicht wollen wir wieder reproduzierbare Ergebnisse. Deshalb manuell.

Fazit

Es gibt keinen perfekten Kameramodus. Die Kamerainternen Berechnungen sind bei modernen Kameras allerdings so gut, dass diese hervorragend eingesetzt werden können. Für Anfänger die sich vom Automatikmodus entfernen wollen, eignet sich die Zeitautomatik je nach Einsatzgebiet sehr gut zum Sammeln von ersten Erfahrungen. Welchen Kameramodus setzt du am liebsten ein und warum? Und welche Situationen sollte ich auf der Liste noch ergänzen?

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